FFA legt Studie zum Kinobesuch vor – kein Bock auf Kino 2020, Hoffnung für 2021

In klassischer Gewohnheit legte die FFA heute die Studie zum Kinobesuch des Vorjahres vor (frisch gegendert heißt sie jetzt „Kinobesucher*innen 2020“). Sie zeigt, wie sich die Pandemie auf soziodemografische, konsumrelevante und filmspezifische Aspekte ausgewirkt hat. Für die Gewissheit, dass 2020 ein desaströses Kinojahr war, braucht man keine Studie, die Zahlen zum Schaden sind hinlänglich bekannt. Dennoch ist es gut einmal tiefer in die Zahlen zu schauen, um Erkenntnisse zu gewinnen. Aufgrund der Schließungen und Einschränkungen sind sowohl die Anzahl der Besucher*innen, die Besuchsintensität und die Besucher*innenreichreichweite im Vergleich zum Vorjahr gesunken:

  • Die Zahl der Personen, die ein Kino besuchten, sank um 40 Prozent auf 15,4 Mio.
  • Die Besuchsintensität sank um 45 Prozent auf 2,4 Tickets pro Person.
  • Die Besucher*innenreichreichweite gemessen an der Gesamtbevölkerung sank von 38 Prozent auf 23 Prozent.

Im Bereich des 3D Kinos sah es desaströs aus: Der 3D-Anteil der Tickets sank um 88% auf 23 Mio. Euro Umsatz.Bei 2D lag das Minus bei 63%. Keine Zahl, die verwundert, da so ziemlich alle großen 3D-Titel 2020 verschoben wurden, und von den fünf 2020 startenden 3D-Filmen kaum Relevanz ausging: DR. DOLITTLE wurde kurzfristig in 3D rausgebracht, ONWARD und DRACHENREITER wurden nach kurzer Spielzeit in den Lockdown geschickt, in der kurzen Wiedereröffnunsphase spielte man SCOOBY DOO eigentlich nur in 2D und über den schlimmen Känguru-Scherz reden wir nicht weiter. Bei diesen Filmen entschieden sich 75% der Besucher durchschnittlich für die 2D-Variante (auch das kein Wunder). Der 3D-Ticketpreis ist um 2% auf 11,89 € gestiegen.

Interessant ist, dass die meisten Befragten aber nicht aus Angst vor Corona nach der Wiedereröffnung nicht ins Kino gingen. 33% hatten grundsätzlich kein Interesse an Kino, 35% gaben an, dass die Filmauswahl nicht ansprechend war, besonders in der sogenannten „kritischen Zielgruppe“ der 10-29jährigen. Dramatische Zahlen, wie ich finde!
FFA Grund für Nichtbesuch

Und natürlich muss man noch einmal auf den gesamten Kino- und Videomarkt gucken: 2020 gab es einen umsatzseitigen Rückgang von 12 Prozent auf 2.917 Mio. Euro. Erkennbar sind Unterschiede bei den Verwertungsformen. Der Kinomarkt schrumpfte 2020 auf 326 Mio. Euro, getrieben durch die pandemiebedingten Kinoschließungen und Einschränkungen. Gleichzeitig wuchs der SVoD-Markt weiter
und erreichte mit 1.570 Mio. Euro einen neuen Höchstwert. In allen Altersgruppen konnten die SVoDUmsatzanteile an Bedeutung gewinnen. Die Überschneidung zwischen SVoD-Abonnent*innen, die auch Kinobesucher*innen sind, liegt bei 42 Prozent und damit über der Reichweite in der Bevölkerung (23 Prozent). Der vielbeschworene Teufel sind Netflix, Prime Video und Disney+ nur bedingt, wer sich für Filme interessiert, geht ins Kino und guckt Heimvideo beim Streamer.
Aber: 2020 wanderten 13,2 Mio. Personen aus dem Kinomarkt ab, 5,5 Mio. von ihnen zu Home-Video und vor allem zu SVoD (3,8 Mio.).
Das Minus am gesamten Filmmarkt betrug im Katastrophenjahr also nur 12%, wenn man sich die Jahre in der Gesamtheit zuvor anschaut, ist man aber auf einem ähnlichen Level. 2020 fand aber eine massive Umverteilung in den Nutzungsformen statt. Neben der Begeisterung der jungen Zielgruppe (siehe oben) ist das ist der Bereich, wo die Kinos ihre große Herausforderung finden: ihr Publikum zurückgewinnen und neues hinzuzugewinnen.

FFA Kino und Videomarkt

Die FFA sieht in der „Kinobesucher*innen 2020“-Studie aber durchaus positive Aussichten: Der Wunsch, endlich wieder ins Kino gehen zu können, wächst signifikant. Wollten im Juli 2020 nur 51 Prozent der Befragten sechs Monate nach einer möglichen Öffnung wieder mindestens so häufig wie zuvor ins Kino gehen, waren es im Januar 2021 schon 71 Prozent. Dies geht aus einer repräsentativen Ad-hoc-Studie der GfK hervor, bei der Kinobesucher*innen der letzten zwei Jahre befragt wurden.

Das lässt doch hoffen. Die FFA-Studie „Kinobesucher*innen 2020“ steht hier zum Download.

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