Fans finanzieren Filme – Kann Crowdfunding den unabhängigen Film retten?

Heute möchte ich meinen Lesern einen Gastbeitrag meines geschätzten Blogger-Kollegen Wolfgang Gumpelmaier empfehlen, der als Experte im Bereich Crowdfunding im deutschsprachigen Bereich vor allem Independent-Produktionen berät. An diesem Thema kommt derzeit die gesamte Filmbranche nicht vorbei- einen heißen Tipp für eine morgige Fach-Veranstaltung gibt es am Ende des Artikel. Bitte (Klein-) Geld bereit halten, wir produzieren jetzt unsere Filme selbst.

Wolfgang Gumpelmaier ist selbstständiger Online-Kommunikationsberater, Blogger und Vortragender. Als Kommunikationswissenschafter und passionierter Web-User ist er stets auf der Suche nach aktuellen Trends aus den Bereichen Social Web, New Media und Film und gibt sein Wissen unter anderem in Vorträgen und Seminaren, auf Twitter und Facebook und seinen beiden Blogs www.socialfilmmarketing.com und gumpelmaier.net weiter.

Filmemacher stehen immer öfter vor dem Problem, dass ihnen die entscheidende Finanzierung für die Realisierung eines Projekts fehlt. Crowdfunding kann hier eine Option bieten, diese fehlende Lücke zu schließen. Aber kann man damit wirklich ganze Filmproduktionen finanziell stützen? Oder ist diese alternative Form der Filmfinanzierung nur für kleine Summen geeignet?

Die Macher von Hotel Desire sind zumindest davon überzeugt, dass man damit auch größere Summen erreichen kann. Für ihre Produktion kombinieren sie Crowdfunding mit Crowdinvestment und bieten ihren Unterstützern nicht nur kleine Gegenleistungen, sondern auch Verwertungsrechte und sogar eine Gewinnbeteiligung an. Auch wenn das Projekt keine Independent-Produktion im klassischen Sinn ist und immer wieder kritisch kommentiert wird, eines muss man dem Projekt zugute halten: die (traditionellen) Medien schenken dem Film und damit auch dem Thema Crowdfunding reichlich Aufmerksamkeit. Und das ist gut so!

Denn dadurch wird es auch für kleinere Produktionen in Zukunft leichter werden, mit Hilfe der Fans Filme zu finanzieren und somit weiterhin unabhängig zu bleiben. Denn zur Teilfinanzierung taugt Crowdfunding allemal und ist in vielen Fällen sogar unabdingbar.

Die Berliner Regisseurin Claudia Rorarius etwa hat sich für diesen Weg entschieden, nachdem sie ihren Debütfilm CHI L’HA VISTO – WO BIST DU fertig gestellt hatte, die entscheidende Vertriebsförderung letztlich aber ausfiel. Sie startete eine Crowdfunding-Kampagne auf der Plattform Startnext.de, um gemeinsam mit Freunden und Fans den Kinostart ihres Roadmovies zu realisieren. Bis dato hat sie rund 70% der gewünschten Zielsumme von EUR 8.000,- einsammeln können, bis kommenden Sonntag sollen die restlichen 30% noch eingesammelt werden. Als Gegenleistung für die Unterstützung gibt es kleine Dankeschöns in Form von persönlichen Videos, Film-Downloads, DVDs, Premierentickets oder einen exklusiven Italien-Reiseführer mit Notizen aus dem Original-Filmtagebuch von Hauptdarsteller Gianni Meurer.

„Zwar werden unabhängige, deutsche Produktionen in der Herstellung massiv gefördert, im Vertrieb dagegen bleiben die kleinen Filme seit einigen Jahren auf der Strecke“, resümiert Claudia Rorarius.“ Bei ca. 190 deutschen Filmen pro Jahr sind die Mittel bei weitem nicht ausreichend, um alle Produktionen entsprechend zu unterstützen. Deshalb habe ich mich entschieden, neue Wege zu gehen und den Kinostart von CHI L’HA VISTO – WO BIST DU mit Hilfe der Fans über Crowdfunding zu realisieren. Die vielen begeisterten Stimmen auf den Festivals und auf facebook ermutigen mich, diesen ungewöhnlichen Schritt zu wagen. Auch viele Kinobetreiber, die meinen Film auf einem der Festivals gesehen haben, unterstützen mich dabei. Das ist natürlich ein sehr wichtiges Signal.“

Aber auch im 3D-Filmbereich wird mit alternativen Finanzierungsmöglichkeiten spekuliert. Die Berliner Videoproduktionsfirma Yourcity3D lotet momentan die Möglichkeiten von Crowdfunding für ein geplantes 3D-Spielfilm- und Gameprojekt aus. „Tag Team Boxing“ soll der Film heißen und das Team arbeitet dabei mit dem ältesten Boxverein Deutschlands zusammen, dem Berliner Verein „Astoria“. Der Film erzählt die Geschichte einer jungen Kurdin, die sich ihre Unabhängigkeit und das Recht zu lieben erkämpft. Da das Team von Yourcity3D mit dem Projekt schnell beginnen und dabei nicht von den Terminen der Filmförderanstalten abhängig sein wollte, hat es Crowdfunding als Finanzierungsvariante in Betracht gezogen und wird voraussichtlich in den kommenden Wochen mit einer Kampagne dazu an den Start gehen.

Fest steht, dass Crowdfunding verstärkt das Interesse von Filmemachern und Kreativen auf sich zieht. Aus diesem Grund gibt es am kommenden Samstag dazu ein Seminar mit dem Titel „Crowdfunding für unabhängige Filmemacher“ [Update: Link entfernt, da Seite nicht mehr online] in Berlin. Das Seminar selbst wurde, wie kann es anders sein, über Crowdfunding finanziert.

3 Antworten
    • Gerold Marks
      Gerold Marks says:

      Hi Daniela, ob Du hier richtig bist? Geht ja um Filme. Und noch ein Tipp: nur da sein reicht nicht aus, man muss sein Angebot auch ein bisschen schmackhaft machen. Viel Erfolg bei Deinem Projekt!

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