Todd Phillips‘ JOKER in analogen 70mm-Vorführungen in Deutschland

Der analoge Film feiert wieder einen Release. Nachdem Christopher Nolans INTERSTELLAR (2014), Quentin Tarantinos Western THE HATEFUL 8 (2016), sowie Nolans Kriegsdrama DUNKIRK und Kenneth Branaghs Agatha Christie-Adaption MORD IM ORIENT EXPRESS (jeweils 2017) kommt nun endlich ein neuer Film auf die analogen Projektoren im Maxiformat. Todd Phillips‘ JOKER-Adaption aus dem Batman-Kosmos läuft mit fünf 70mm-Kopien in Deutschland an.

Joker -Szenenbild 1Setzt doch mal ein Lächeln auf- der Joker kehrt zurück in die Kinos. Ja, schon wieder sorgt ein Clown für Unruhe in der Stadt, aber dieser ist von einem ganz anderen Kaliber. Vielleicht ist er der ikonischste Villain der Filmgeschichte, der in regelmäßigen Iterationen aus dem DC-Comicuniversum herausbricht, um auf der Leinwand sein Unwesen zu treiben. Bei der Joker-Interpretation von Regisseur Todd Phillips erleben wir die Initialgeschichte des Arthur Fleck, verkörpert von Joaquin Phoenix, der sich von einer einsamen Seele mit Träumen als Stand-up-Comedian hin zu einem anarchischen Verbrecher wandelt. Was das New York der 80er Jahre, ähm, Gotham City so mit zarten Seelen macht…

Seit den ersten Bildern entfachte JOKER ein starkes Interesse bei den Fans. Und selbst wenn man Jack Nicholson in den Tim Burtons BATMAN wegbereitend und Heath Ledger in Christopher Nolans THE DARK KNIGHT unerreichbar in ihrer Performance fand, ist (nach dem kleinen Intermezzo mit Jared Leto in SUICIDE SQUAD) doch wieder Herz und Bühne frei für eine intensive Verkörperung dieser Superbösewicht-Figur. Bereits befeuert von der Auszeichnung mit dem Goldenen Löwen bei den Filmfestspielen von Venedig, wo der Film auch Weltpremiere feierte, gelten JOKER und Hauptdarsteller Joaquin Phoenix mit ihrer düsteren, allegorische Charakterstudie als klare Anwärter bei den Oscars (und weiteren Awards). Wir dürfen also gespannt sein.

Der dreimal für einen Oscar nominierte Phoenix („The Master“, „Walk the Line“, „Gladiator“ – dieses Mal ist er fällig!) spielt die Titelrolle an der Seite des Oscar-Preisträgers Robert De Niro („Wie ein wilder Stier“, „Der Pate: Teil II“), in der weiblichen Hauptrolle ist Zazie Beetz (TV-Serie „Atlanta“, „Deadpool 2“) zu sehen. Regisseur Todd Philipps, von dem man einen Film wie JOKER nach seinen bisherigen Werken „Borat“ oder der „Hangover“-Trilogie nicht zwingend erwartet hätte, schrieb das Drehbuch mit dem Oscar- nominierten Autor Scott Silver („The Fighter“) schrieb. Die Produktion verantworteten Phillips und Oscar-Kandidat Bradley Cooper („A Star Is Born“, „American Sniper“) unter ihrem Joint Effort Banner gemeinsam mit und Oscar-Kandidatin Emma Tillinger Koskoff („The Wolf of Wall Street“). Zum kreativen Team von Phillips gehörten Kameramann Lawrence Sher („Godzilla II: King of the Monsters“, „Hangover“-Trilogie), Produktionsdesigner Mark Friedberg („Beale Street“, „Selma“), Filmeditor Jeff Groth („War Dogs“, „Hangover 3“) und der mit einem Oscar ausgezeichnete Kostümdesigner Mark Bridges („Der seidene Faden“, „The Artist“). Die Musik stammt von Hildur Guðnadóttir (HBO-Serie „Chernobyl“, „Sicario 2“).

Joker- Szenenbild 02

JOKER in analoger 70mm-Projektion

Gedreht wurde JOKER nicht auf analogem Filmmaterial, sondern digital. Kameramann Lawrence Sher setzte dabei auf die Premiumkameras aus dem Hause Arri. Neben der Arri Alexa 65, also dem digitalen Pendant zur 65mm-Film-Kamera, kam auch die Arri Alexa LF zum Einsatz, die schon im Namen als Abkürzung den besten Einsatz beschreibt: Large Format. Einzelne Szenen sind auch auf der Arri Alexa Mini entstanden. Als Objektive sorgten die Hasselblad Prime DNA Lenses für den gewünschten Look. Aufgezeichnet wurde in den ARRIRAW-Formaten 3.4K, 4.5K und 5.1K, das Digital Intermediate liegt als Master in 4K vor.

Nach aktuellem Stand präsentiert der Verleih Warner Bros. die analogen Projektionen von JOKER bei uns in fünf Kinos. Natürlich ist die Schauburg Cinerama in Karlsruhe dabei, der Zoo Palast in Berlin, das Savoy in Hamburg, die Astor Filmlounge im ARRI München und auch die Lichtburg in Essen verkaufen bereits die Tickets für 70mm-Vorführungen. Das Savoy als englischsprachiges Kino spielt die OV-Fassung. Das Aspect Ratio bei den 70mm-Kopien beträgt 1:1,85

Die aktuellen 70mm-Häuser für JOKER

Zwischen 5/70 und 15/70 – Überblick analoge Filmformate

Hier ein kleiner (und stark vereinfachter) Überblick über die Filmformate 35mm und 70mm. In der Grafik seht ihr rechts den klassischen 35mm-Film, die Breite des Streifen beträgt 3,5 cm. Dieses Format ist weltweit durch die Digitalisierung mit digitalen 2K-Projektoren abgelöst worden. 70mm-Film wie in der Mitte ist eben doppelt so breit. Es ist auch unter dem Namen 5/70 bekannt, da pro Einzelbild fünf Transport-Perforationslöcher enthalten sind. Auf der deutlich größeren Bildfläche können vielmehr Bildinformationen geprintet werden, das projizierte Bild ist feiner, detailreicher und brillanter. Das IMAX-Format stellte alles auf den Kopf, sie benutzen zwar auch 70mm, aber mit horizontalem Filmlauf, was eben 15 Perforationslöchern entspricht- daher auch gerne mit 15/70 abgekürzt. Ein IMAX-Bild besitzt fast die zehnfache Auflösung gegenüber einem 35mm-Bild.

IMAX 70mm 35mm

IMAX, 70mm und 35mm im Vergleich

 

JOKER-FAQ

  • Die Laufzeit des Films beträgt 122 Minuten.
  • In den USA ist JOKER Rated R for strong bloody violence, disturbing behavior, language and brief sexual images. In Deutschland hat JOKER eine FSK 16 erhalten.
  • JOKER erscheint auch im HDR-Format Dolby Vision, in Deutschland gibt es bisher ein Dolby Vision-Kino im Mathäser in München.
  • Eine Dolby Atmos-Fassung von JOKER wird es in den Kinos geben.
  • Die IMAX-Kinos spielen JOKER wie üblich in digitaler 4K-Projektion.
  • Leider gibt es keine Auflistung, welche Kinos JOKER in echter 4K- DCP-Projektion zeigen.
  • Eine D-Box – Fassung des Films ist bisher nicht angekündigt.
  • 35mm-Kopien von JOKER sind für Deutschland nach aktuellem Kenntnisstand nicht geplant.

Umfrage

Ist analoger Film eine Cineasten-Liebhaberei oder besitzt er solche Zugkraft, dass man mehrere hundert Kilometer Wegstrecke für eine Kinovorführung in Kauf nimmt? Hinterlasst gerne einen Kommentar und nehmt an der Umfrage teil:

 

JOKER- ab dem 10.10.2019 im Kino

Für immer allein in der Menge, sucht Arthur Fleck nach Anschluss. Doch während er die verrußten Straßen von Gotham City durchstreift und mit den graffitiverschmierten Zügen des Transitverkehrs durch eine feindselige Stadt voller Spaltung und Unzufriedenheit fährt, trägt Arthur zwei Masken. Die eine malt er sich täglich für seine Arbeit als Clown auf. Die andere kann er niemals ablegen; sie ist die Verkleidung, die er trägt, in seinem vergeblichen Versuch, sich als Teil der Welt um ihn herum zu fühlen und nicht wie der missverstandene Mann, den das Leben immer wieder niederstreckt. Aufgewachsen ohne Vater, hat Arthur eine zerbrechliche Mutter, zweifellos seine beste Freundin, die ihm den Kosenamen Happy gab. Dieser Spitzname brachte in Arthur ein Lächeln hervor, das allen Schmerz dahinter zu verbergen weiß. Doch jedes Mal, wenn er von Teenagern auf der Straße drangsaliert, von Anzugträgern in der U-Bahn verspottet oder einfach nur von seinen Arbeitskollegen gehänselt wird, entfernt sich der soziale Außenseiter einen Schritt weiter von seinen Mitmenschen…

Joker-Hauptplakat

Bilder © Warner Bros [1,2, 4], Grafik Formatverhältnis Vento~commonswiki (CC BY-SA 3.0) [3] · Alle Rechte vorbehalten.

9 Kommentare
  1. Neverman
    Neverman sagte:

    Danke für diese tolle Nachricht!
    Für analog reise ich auch über 100km. Dasselbe mache ich aber auch für IMAX und Dolby Cinema… Meine Geldbörse dankt es mir.

    Es wäre schön, wenn öfters solche detaillierten Spielplan-Übersichten kämen, wie schon bei „Dunkirk“. Es ist beklagenswert, wie intransparent die Kinolandschaft da ist, dass das nicht mit Pauken und Trompeten überall verkündet wird, sondern dass man sich das immer mühselig von Hand zusammensuchen muss.

    Ein weiteres Beispiel dafür ist Gemini Man. Wer weiß schon, in welchem Kino welches Format gespielt wird, wenn man nicht einzelne Kinos anschreibt? Zumal die Veröffentlichungspolitik mit IMAX, Dolby Cinema, D-Box, Analog 35mm, 70mm, Eclair, 2D, 3D, HFR, etc. doch schon derartig divers ist, dass ein Guide hier einfach angebracht wäre. Was wäre das für ein Träumchen, wenn es eine Seite gäbe, auf der ich lediglich Suchparameter für einen bestimmten Film einzugeben bräuchte (z.B. „joker analog 70mm“) und die Seite spuckt mir die entsprechenden Kinos aus. Dazu noch eine News-Rubrik, in der man über Neuerscheinungen und ihre Besonderheiten aufgeklärt wird, und ich wäre ein täglicher Besucher dieser Seite.

    Entschulde bitte den Rant, ein Film/Kinoliebhaber zu sein, ist einfach eine frustrierende Angelegenheit.

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    • Gerold Marks
      Gerold Marks sagte:

      Danke dir für dein Feedback. Leider ist es ein echtes Problem, diese Informationen zu bekommen. Die Verleiher geben diese Informationen strikt nicht heraus, die betreuenden Presseagenturen ebenfalls nicht , es soll „nicht ein einzelnes Kino hervorgehoben werden“. Das heißt, ich suche selber nach den Informationen, und spreche mit den Kinos. Denn auch online auf den Seiten der Kinos finden sich manche Angaben nicht, oder sind Vorstellungen (wie bei JOKER) noch nicht angelegt. Das ist sehr mühsam.
      Zu 3D-Anfangszeiten konnte ich die die 3D-Startkinos listen (z.B. http://digitaleleinwand.de/2009/09/17/pixars-oben-alle-deutschen-3d-spielorte), aber das war eine andere Ära. 🙂
      Grundsätzlich wäre die von die gewünschte Funktion technisch realisierbar, aber die Daten dafür existieren nicht. Die Kino-Spieldaten, die für die Branche erstellt werden, sind recht teuer, das lässt sich für mich nicht mit meiner Seite gegenfinanzieren. Zumal die benötigten Zusatzinformationen in den Spielplandaten nicht enthalten sind und doch wieder manuell recherchiert werden müssen. Das ist bei 1600 Kinos einfach nicht zu schaffen.
      Und manche Kinos wissen- lustigerweise- auch nicht genau, was sie spielen. Da herrscht bei GEMINI MAN Unklarheit, manche behaupten 60 Bilder pro Sekunde, andere 120…
      Wenn es nützliche Infos gibt, teile ich sie gerne mit. Aber ohne Support der Verleiher ist es leider ein Puzzlespiel.

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  2. Neverman
    Neverman sagte:

    Aber wäre nicht gerade das ein Anreiz für Kinobetreiber, zu investieren, um sich abzugrenzen? IMAX und Dolby Cinema machen doch letztlich nichts anderes. IMAX wirbt mit mehr Bildinhalt und hat damit einen exklusiven Status innerhalb der Kinolandschaft und Dolby Cinema hat mit Dolby Vision einen zugkräftigen Markennamen als Alleinstellungsmerkmal. D-Box wirbt auch wie selbstverständlich mit seinen Wackelsitzen. Ich habe das Gefühl, das Problem ist künstlich produziert.
    Etwas muss sich da dringend ändern.

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    • Gerold Marks
      Gerold Marks sagte:

      Ja klar, einige Kinos besitzen auch ein sehr ausgeprägtes Profil, und pflegen dies in ihrer Kommunikation. Die Anzahl der 70mm Releases ist ja überschaubar, da kommt ein Film pro Jahr, der Rest ist Abspiel von Klassikern. Das reicht als alleiniges besonderes Merkmal heute nicht mehr aus.
      Du hast da völlig recht, es müsste sich einiges ändern.

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  3. Tabul
    Tabul sagte:

    Kino ist für mich als 80/90er Jahre Mensch eine analoge Filmvorführung. Gerade, da man zuhause quasi 35mm digital hat, und alanog 35mm nicht mehr viel geht, freut man sich auf alles in 70mm . Ich fahre immer gerne nach Berlin:)

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  4. Jens
    Jens sagte:

    Astor Hannover ist dieses Mal nicht dabei, falls die den 70mm Projektor überhaupt noch haben.

    Optisch konnten mich Dunkirk und Orient Express in 70mm nicht überzeugen und digital gibt Joker auch nicht so viel her. Dafür konnte der Atmos Sound begeistern. Ich würde daher ein Kino mit einem möglichst guten Sound System empfehlen

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    • Gerold Marks
      Gerold Marks sagte:

      Ja, das Astor Grand in Hannover ist dieses mal beim 70mm-Release nicht dabei. Die Flebbe-Gruppe leistet sich mit Berlin, Hamburg und München bereits drei analoge Kopien. Vielleicht bekommen sie nicht mehr bei limitierter Gesamtmenge? Mir ist auch nicht bekannt, wie die Kostenlage ist, die Häuser durften mitunter analoge Kopien selbst bezahlen. Bei einem 5stelligen Preis…
      Die Verbindung von einem sehr guten Bild mit einem sehr guten Ton macht ja immer am meisten Freude, JOKER läuft ja auch in Dolby Atmos. Wie hat dir denn die Atmos-Mischung gefallen?

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      • Jens
        Jens sagte:

        Hat mir sehr gut gefallen. Abwandernde Effekte/Sprache um einen herum. Und es machte oft den Anschein, als würde die Stereofront auch die vorderen Surround Lautsprecher nutzen. Wie auch schon bei Dragons 3

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