DAS MAGISCHE HAUS – Interview mit Regisseur Ben Stassen

Zum Filmstart des Familien-Animationsfilms DAS MAGISCHE HAUS konnte ich ein Interview mit dem europäischen Pionier des 3D-Films führen, dem belgischen Regisseur Ben Stassen. 1994 gründete er seine Produktionsfirma nWave Pictures, die Filme für Themenparks und Großleinwände wie IMAX produzierte. Mit „Fly me to the Moon“ brachte Stassen den ersten europäischen 3D-Animationsfilm in Langfassung ins Kino, seitdem folgten Sammys Abenteuer- Die Suche nach der geheimen Passage, die Fortsetzung Sammys Abenteuer 2die 3D-Doku African Safari  und frisch gestartet Das Magische Haus. Welches Filmprojekt er als nächstes realisiert, warum das aktuelle 3D-Kino scheitert und in welche immersive Technik er große Hoffnungen setzt, erläutert Ben Stassen im Interview mit DigitaleLeinwand.

SAMMYS ABENTEUER

Was war die größte Herausforderung an Ihrem neuen Spielfilm DAS MAGISCHE HAUS- ursprünglich war es mal ein IMAX-Kurzfilm?

NWave Pictures kam von den „Special Films“, wie wir es nennen, also Ride Films, 4D-Filme, IMAX-Filme. Der Wechsel zu Spielfilmen war für uns ein großer Schritt in der Produktion und unseren Ansätzen in der Firma. Mit dem Magischen Haus veröffentlichen wir nun unseren fünften Langspielfilm im Kino. Ein Kurzfilm für einen Themenpark oder ein 4D-Film dauert etwa 10 bis 13 Minuten. Dort geht es mehr um das Erlebnis, in den Spielfilmen geht es um die Geschichte. Auch wenn in unseren Spielfilmen das 3D-Erlebnis als gestalterische Komponente eingesetzt wird, dient es dazu, die zu erzählende Geschichte zu unterstützen.

Die große Herausforderung im Animationsbereich im Vergleich zu Liveaction-Spielfilmen liegt in der Verfügbarkeit guter Drehbücher. Es werden nur sehr wenige Drehbücher für Animationsfilme geschrieben. Die Mayorstudios entwickeln alle ihre eigenen Drehbücher. Auch wenn es sich derzeit so anfühlt, als ob zu viele animierte Filme produziert werden, sind es natürlich nur sehr wenige verglichen mit dem Liveaction-Filmen.
Das stellt für uns die größte Herausforderung vom Schritt der Attractionfilme zu den Spielfilmen dar, ein gutes Skript zu finden, das für einen weltweiten Markt interessant ist.

Verglichen mit den deutschen CGI-Animationsfilmen, die allesamt auf bekannten Vorlagen beruhen (zuletzt Tarzan von Constantin oder kommend Biene Maja) produzieren Sie originäre Stoffe für einen internationalen Markt- ist das Ihr Schlüssel zum Erfolg?

Ja. Oder eigentlich Ja und Nein. Wir müssen originäre Stoffe umsetzen, weil es auf dem Markt draußen nichts zu kaufen gibt. Zudem verfolgen wir den Ansatz des Branded Entertainment. Tarzan ist ein sehr bekannter Stoff. Unser nächstes Film Projekt wird „Robinson Crusoe“ sein. Aber wir werden die Geschichte aus einer ganz anderen Perspektive erzählen, nämlich aus der Sicht der Tiere auf der Insel, wo Robinson Crusoe nach seinem Schiffbruch strandete. Die Tiere sehen ihn an Land kriechen und halten ihn zunächst für ein Seemonster- ein vollkommen anderer Ansatz als in den Erzählungen zuvor.
Wir suchen nach Geschichten, die sich danach anfühlen für ein breites weltweites Publikum interessant zu sein. Dabei müssen wir aber auch sehr strategisch in unserer Entscheidungen sein.

In der Animation wird man fortlaufend mit den großen Studios in Hollywood verglichen. Auch das ist im Vergleich zu Live-Action – Filmen anders. In jeder Filmkritik wird auf die Major-Studios referenziert, man liest Sätze wie „sie kommen nicht mal nahe an Pixar ran“ oder „ein Film, der sich hinter Pixar nicht zu verstecken braucht“. Doch ist es immer ein Vergleich, positiv wie negativ, man wird stets miteinander gemessen. Was für uns zählt ist ein Standard an Qualität, der mit unseren finanziellen Möglichkeiten realisierbar ist. Unser aktueller Film Das Magische Haus hat 17 Millionen Euro in der Produktion  gekostet. Das ist eine Stange Geld, aber immer noch Peanuts im Vergleich zu den Major-US-Produktionen,  die in die Größenordnung zwischen 100 und 150 Millionen Dollar fallen.
Für das Publikum ist das Studio erstmal kein Problem, die sind am Kinoerlebnis interessiert, die entscheiden für sich selbst, ob etwas gut aussieht oder nicht. Als große Herausforderung beim Spielen in der Major-Liga stellt sich unser deutlich kleineres Budget.

Aber ist es ein Problem, dass das Publikum die Visualität eines Films beurteilt? Sie selbst sagen, es geht um die Geschichte- brauchen wir andere/ bessere/ interessantere Geschichten für den Animationsfilm?

Ein guter visueller Stil ist absolut notwendig, damit sich das Publikum dem Film überhaupt zuwendet. Aber danach muss man sie mit der Geschichte einfangen und überzeugen. Klar, je besser die Story, desto höher die Chancen ein weltweites Publikum zu verführen.

In den USA gibt es im Animationsfilm-Markt derzeit einen großen Trend, vielleicht mit der Ausnahme von Pixar. Die Filme sind eine Aneinanderreihung von Witzen – ein Gag folgt dem Nächsten. Wenn man nicht einen Witz pro Minute zündet, halten es die Studiobosse für ein schlechtes Skript.
Vergleichen wir dies doch mal mit den Animations-Klassikern von Disney wie 101 Dalmatiner. Natürlich gibt es viele freudige und unterhaltsame Momente, aber eben auch Drama mit sensiblen und einfühlsame Szenen. Bei den nordamerikanischen Studiofilmen scheint das Motto derzeit zu lauten: sei lustiger als Dein Nachbar. Ich mag Spaß, ich mag Lachen. Aber wenn in diesen Filmen mal nicht mehr über einen Filmgag lachen kann, bleibt dort gar nichts mehr übrig.

Wir versuchen uns bei nWave vom „alle 30 Sekunden ein Gag“ zu lösen und eine Geschichte dramaturgisch zu erzählen. Wenn man wirklich immersives 3D nutzt, ist der Film auch unterhaltsam, wenn gerade kein Gag passiert, der 3D-Einsatz bietet tolle Unterhaltung.

Beim 3D-Einsatz gibt es große Unterschiede, Pixar beispielsweise setzt sehr auf zurückhaltende Räumlichkeit, die nWave Pictures- Filme nutzen auch jenseits der Gimmicks den Raum vor der Leinwand. Dazu kommt noch die aktuelle Seherfahrung beim Publikum, zum einen eine Gewöhnung und Abstumpfung, dagegen die 3D-Liebhaber, die bessere 3D-Filme fordern, wo experimentiert wird, die 3D-Dramaturgie spürbar ist. Für viele Zuschauer ist ein Mittelmaß-3D der Standard geworden. Auch sind viele der 50 3D-Filme in diesem Jahr sicher nicht aus stereoskopischer Sicht interessant. Was trägt aus Ihrer Sicht 3D zum Kinoerlebnis von Das Magische Haus bei?

Die Essenz von 3D sind nicht Ins-Gesicht-Effekte. Wenn man ins Kino geht, wird man auf zwei Ebenen in die Geschichte hineingezogen, man vertieft sich intellektuell und emotional. Und das ist der Unterschied zum TV- der dunkle Raum, die große Leinwand, der kräftige Sound- man verlässt die Welt draußen und versinkt in Raum und Zeit des Films, hier sogar auf der physischen Ebene- das ist für mich die Essenz des 3D-Kinos.

In „Fly me to the Moon“ und den beiden Sammy-Filmen habe ich mich selbst um die immersiven Aspekte gekümmert. Wenn die Geschichte eine ganze Gruppe von Charakteren in eine dramatische Situation versetzt, konnten wir In your Face-Effekte hervorragend als Stilmittel gegen die Aggressoren einsetzen. Ich bin immer sehr vorsichtig mit In your Face-Effeken, da sie sehr aufgesetzt und billig wirken können. Aber hier war es Teil der Geschichte und ausgehend von der Reaktion des Publikums hat es hervorragend funktioniert.

Aber es hat sich was entwickelt. Ich arbeite jetzt seit 15 Jahren im Bereich des 3D-Films. Und leider bin ich sehr pessimistisch, was die Lage betrifft. Das 3D-Kino hat keine Zukunft. Es gibt kein 3D-Kino. Mit wenigen Ausnahmen natürlich, es gibt immer Ausnahmen. Gravity ist ein brillanter Film. Aber es ist ein 2,5 D-Film! Oder weniger noch! Ich habe kürzlich ein Interview mit einem der Regisseure von Pixar gelesen. Pixar macht zweifelsohne großartige Filme, aber der Regisseur selbst gab zu, dass er mit dem 3D nichts zu tun hat. Die Filme sind keine 3D-Konvertierung, aber sie fügen die Stereoskopie erst spät in der Postproduktion hinzu. Verschont mich damit! Wenn der Regisseur wirklich glaubt, dass man 3D wie eine Farbkorrektur zum Ende des Films mal eben einstellt- zum Teufel damit!

 Wenn der Regisseur wirklich glaubt, dass man 3D wie eine Farbkorrektur zum Ende des Films mal eben einstellt- zum Teufel damit!

Sie müssen doch ihr Publikum ernst nehmen! Wenn eine Familie an der Kinokasse viermal einen Aufschlag von 3 Euro zahlt, für zwei Stunden Brillen trägt kann sie doch etwas erwarten. Wenn dann die Familie nicht aus dem Kino kommend von der guten Entscheidung den Film in 3D zu sehen schwärmt, dann ist einfach Abzocke, und das passiert derzeit ständig.
Weltweit liegt der Ertrag der 3D-Filme im Durchschnitt bei etwa 50 % gegenüber den 2D-Fassungen. In Italien zeigt man Das Magische Haus – ein Film, bei dem man viel Aufmerksamkeit auf den 3D-Aspekt gelegt hat- ausschließlich in der 2D-Fassung. Sie haben entschieden, dass alle Familienfilme, sowohl meiner wie alle anderen, ausschließlich in der 2D-Fassung gezeigt werden. 3D bleibt ausschließlich ein paar Big Budget- Hollywood-Blockbustern vorbehalten. Familien sind übersättigt damit.

Hollywood hat digitales 3D als Verkaufsinstrument für die digitale Projektion missbraucht.

Warum haben wir 3D? aus einem Grund. Und zwar nur aus einem Grund. 2007 startete es, als Hollywood versuchte digitale Projektionssysteme an die Kinos zu verkaufen. Die Kinobetreiber wollten nicht digital werden, sondern beim analogen Film bleiben. Als Disney „Chicken Little“ in 2005/2005 ankündigte, rüsteten innerhalb von zwei Monaten 80 Kino-Betreiber ihr System digital auf,  um den Film in 3D zeigen zu können. In vorherigen Jahren gab es insgesamt nur vierzehn digitale Installationen in Nordamerika, nun 94 um diesen nachträglich konvertierten Animationsfilm in 3D zeigen zu können. Mit Avatar kam die große Umrüstungswelle mit mehreren tausend digitalen Leinwänden. Hollywood hat digitales 3D als Verkaufsinstrument für die digitale Projektion missbraucht. Jetzt, wo alle Kinos digital umgerüstet sind, kümmert man sich nicht mehr um 3D.

Ich habe gehört- ich weiß nicht, ob es stimmt- dass aktuell kein großer Hollywood-Film mehr in echtem 3D gedreht wird. Zu Beginn 2009/2010 wurden viele Filme konvertiert, es folgten diverse native Filme, die mit zwei Kameras im 3D-Rig aufgenommen wurden. Aber derzeit hört man von allen 3D-Technikfirmen wie James Camerons Pace/Cameron Group oder 3ality, dass sie keine Arbeit mehr haben, niemand mehr ihre 3D-Technik für eine Filmproduktion leiht, da alle Filme ausschließlich in der Postproduktion konvertiert werden. Die großen Studios glauben nicht mehr dran.

Ich persönlich setze große Hoffnungen in High Frame Rate 3D. Bisher haben wir mit den beiden Hobbit-Teilen ausschließlich zwei Filme in  diesem Formt gesehen. Für mich ist es revolutionär. HFR ist noch nicht perfekt, es gibt noch Schwierigkeiten mit der Artdirection und manches sieht so real aus, dass es wie ein Fake wirkt. Aber 48 Bilder pro Sekunde, oder wie bei den kommenden Avatar-Sequels 60 Bilder pro Sekunde eliminieren alle technischen Einschränkungen der 3D-Technik wie in den seitliche Bewegungen. Da werden schnell-erzählte 3D-Actionfilme ohne technische Limitierungen im Kino zu sehen sein. Sicher nicht parallel auf zehn Leinwänden pro Multiplex sondern eher in zwei Sälen. Und nicht 2-3 Filme pro Woche, sondern 6-10 Filme pro Jahr, die für in High Frame Rate 3D designt sind und wo das 3D es wirklich wert ist.

Vor 4 bis 5 Jahren hat jeder gedacht, dass 3D bestehen bleibt. Weil es eine Industrie-Wertschöpfungskette gab. Immer mehr Kinos haben 3D-Systeme installiert, für die Studios war es interessant, weil sich durch die 3D-Fernseher ein Leben nach der Kino-Auswertung auftat. Die Hersteller haben Millionen von 3D-fähigen Fernsehgeräten verkauft, aber kaum einer Besitzer nutzt diese Funktionalität und schaut zu Hause 3D. Fast alle aktuellen Fernseher bringen die 3D-Funktionalität als Standard mit sich, ob man es will oder nicht. Dennoch gibt es keinen zweiten Markt für 3D-Filme. Ich fürchte, das hat sich erledigt. Bevor es in ein paar Jahre verschwindet, wird sich hoffentlich etwas bei High Frame Rate 3D entwickelt haben.

 

In der Kinobranche sucht man nach neuen technischen Entwicklungen- die Rückkehr des digitalen IMAX, der kommenden Laserprojektion für eine bessere Bildqualität, 3D-Soundsysteme wie Dolby Atmos. Ihre Filme sind bisher nicht auf diese technischen Neuerungen ausgelegt- halten Sie das für vorübergehende Trends oder spannende Perspektive immersive Geschichten zu erzählen?
Da haben Sie den Finger genau auf den richtigen Punkt gelegt. Was ich zu IMAX und High Frame Rate sagte, geht genau in diese Richtung. Es geht um technische High End-Syteme mit hervorragender Bildqualität. Wir müssen auf High Frame Rate gehen, auch IMAX muss auf High Frame Rate aufrüsten.
Es muss nicht jeder Film in 3D zu sehen sein. Aber wenn Du einen 3D-Film machst, dann mach es gefälligst richtig. Wenn wir sechs bis zehn gute 3D-Filme im Kino haben, reicht das völlig, einen pro Monat, nicht einen pro Woche. In der Zukunft wird der 3D-Film mehr einen Sonderplatz im Multiplex haben.

Die größte technische Entwicklung wird nicht, wie vor 5 Jahren angenommen das brillenlose 3D sein, sondern im Gegenteil das brillenbasierte, wie Oculus Rift, das jüngst von Facebook aufgekauft wurde.
Das ist das beste 3D, dass man haben kann! Ich habe High-Resolution- Aufnahmen auf dem Prototypen gesehen. Das ist wie ein IMAX-Erlebnis auf der Nasenspitze. Das linke Bild geht auf das linke Auge, das rechte Bild geht auf das rechte Auge, es gibt keine Crosstalk-Fehler, keinen Lichtverlust. Eine perfekte Bildqualität. Das ist wie eine IMAX-Experience. Total immersiv. Nicht sozial wie das bisherige Filmerlebnis, das man gemeinsam mit den Menschen im Kino teilt. Aber sehr mächtig, das ist bahnbrechendes 3D.

Aber dann bräuchte man eine neue technische Plattform um interaktive Filme zu gestalten, in denen man sich frei bewegen kann?

Nein , ich spreche von passivem Entertainment. Es wird interaktive Applikationen geben, aber ich spreche weiter von passiver, aufgezeichneter Unterhaltung. Diese Datenbrillen wie Oculus sind ein Weg zu interaktiver Unterhaltung, man kann aber auch seine Mails damit lesen, Spielfilme oder TV-Serien damit anschauen. Natürlich sind in der Zukunft interaktivere Spielfilme oder Videogames mit dieser Technologie vorstellbar, mit den Dinge erkundet werden, aber ich spreche noch vom klassischen  aufgezeichneten Film, man geht ins Kino um für eine Zeit in die Welt der Geschichte abzutauschen.

Erstmals in der Geschichte des Films haben wir diesen Brillen eine Technik, die eine höhere Immersion bietet als ein Kinosaal.

Erstmals in der Geschichte des Films haben wir diesen Brillen eine Technik, die eine höhere Immersion bietet als ein Kinosaal. Das gab es nie zuvor. Nochmal: Film ist zum einen ein immersives Erlebnis, zum anderen ein soziales. Mit einem Datenbrillensystem erhält man 100% Immersion und 0% soziale Interaktion, es wird also trotz seiner mächtigen Immersion das Kino nicht total verdrängen. Auch wenn man 3D-Filme jetzt nicht auf dem Fernseher in 3D schaut, auf den Datenbrillen würde man es sich ansehen. Es existiert also weiterhin absolutes Potential für Filme in 3D, aber eben nicht in der bestehenden Form.

Ich hoffe, wir sprechen uns in 5 Jahren erneut und blicken auf das heutige Gespräch zurück.

[Lacht]

Wir haben jetzt viel über Familienfilme gesprochen, aber wie steht es mit anderen Animationsfilmen für ein anderes Publikum, sprich animierte Erwachsenenunterhaltung?

Ja, darüber gibt es viele Gespräche, aber keiner der große Studios will das finanzieren, weil ihnen das Risiko zu groß ist. Es gibt derzeit zu viele Animationsfilme, die auch noch miteinander konkurrieren. Es ist derzeit zu kostspielig, um  einen Versuch zu wagen. Animation ist eben Familienunterhaltung für ein breites Publikum. Brächte der Besucher bei einem animierten Erwachsenenfilm einen Freund mit ins Kino, rechnet man beim Familienfilm neben den Kindern eben noch mit den mitgebrachten Eltern oder Großeltern. Es könnte definitiv eine Nische für Animation jenseits des Familyentertainments geben.

Es ist möglich einen Independent-Spielfilm für wenige Millionen zu drehen und dennoch einen großen Treffer zu landen, man denke an extreme Beispiele für Filme mit Budgets von wenigen Tausend Dollar und gigantischem Boxoffice wie „Blair Witch Project“. Im Bereich des Animationsfilms ist das unmöglich, zugespitzt gesagt will keiner billige Animation sehen. Und schon befindet man sich mit einem Animationsfilm in der Preisklasse von Budgets zwischen 10 und 20 Millionen.

 

Sie entwickelten für Ihre letzte 3D-Naturdokumentation „African Safari“ verschiedene neue 3D-Kamerasysteme – arbeiten sie an weiteren Liveaction-Spielfilmen?

Derzeit nicht, ausschließlich an Animationsprojekten.

NWave Pictures ist in den letzten Jahren sehr produktiv, mehrere Themepark-Rides wurden produziert, die beiden Sammys Abenteuer- Filme, die Safari-Doku, nun Das Magische Haus- wie organisieren sie die Arbeit bei einer kleinen Firma wie nWave Pictures für den hohen Output?

Ganz einfach- wir können alle Entscheidungen selber treffen. [Lacht] Ganz im Ernst, wir haben sehr flache Hierarchien, wir müssen nicht ständig Personen überzeugen, mühevoll für Entscheidungen kämpfen. Wir treffen alle künstlerischen Entscheidungen, wir treffen alle finanziellen Entscheidungen. Wir sind eine Partnerschaft mit Studiocanal eingegangen, die das mittragen. Sobald ein Projekt grünes Licht erhält, lassen sie uns arbeiten. Das Skript wurde bestätigt- wir sehen uns dann auf der Premiere. Ich sage das aus einer positiven Sicht. Sobald sie das Skript freigegeben haben, genießen wir vollstes Vertrauen, wir können einfach arbeiten, das macht alles viel schneller und einfacher. Im Kern sind wir eine Handvoll Leute um mich und meine Partner. In 5 Minuten Zeit können wir sehr effizient eine Vielzahl von Entscheidungen treffen.

Zudem sind wir sehr gut in der Kombination von Projekten. Nach dem ersten Sammy-Film haben wir einen Attraction-Film extrahiert, der sehr erfolgreich in verschiedenen Freizeitparks lief. Ausgehend von unseren Filmen kombinierten wir zwei bis drei Minuten neues Material mit zehn Minuten bestehendem Film, zudem konnten wir auf alle vorhandenen Elemente zugreifen. So lässt sich ein sehr hoher Standard in sehr knapper Zeit umsetzen. Aus dieser Sicht sind wir sehr produktiv, absolut.

 

Als nächstes Projekt steht Robinson Crusoe an- ist zudem ein weiterer Sammy-Film geplant?

[Lacht.] Jeder fragt uns das. Bei DreamWorks Animation arbeiten 1300 Personen. Wenn sie ein Sequel umsetzen, übernehmen sie immer einen Teil des alten Animationsteams und binden zusätzlich neue frische Animatoren ein. Wenn man in einer kleinen Firma wie unserer für vier Jahre an Sammys Abenteuer 1 und Teil 2 arbeitet, werden die Animatoren müde weiter mit Meeresbewohnern zu werkeln. Wir mussten was anderes machen. Sie waren glücklich an Das Magische Haus und dem kommenden Robinson Crusoe-Film zu arbeiten. Im Herbst werden wir über das Folgeprojekt diskutieren und entscheiden, aber es wird kein Sammy-Abenteuer. Doch ist Nachfrage nach einen weiteren Sammy-Film so hoch, dass wir vielleicht zukünftig doch eine Fortsetzung produzieren.

Ich kann verraten, dass von Sammy derzeit eine Fernsehserie mit 52 Episoden hergestellt wird. Wir produzieren es zwar nicht selbst, die Serie entsteht bei Zagtoon in Frankreich und teilweise in Südkorea. Ich habe die ersten beiden Episoden bereits gesehen, die wird richtig gut!
Und wann werden wir den Robinson Crusoe-Film im Kino sehen?

Der wird Ende nächsten Jahres fertiggestellt sein.

 

Herzlichen Dank für das Interview und viel Erfolg im Kino mit dem Magischen Haus!

Das Magische Haus ist seit dem 22. Mai 2014 deutschlandweit in den Kinos zu sehen- und das in absolut sehenswertem 3D!

Plakat DAS MAGISCHE HAUS

 

Bilder © nWave Pictures/ Studiocanal · Alle Rechte vorbehalten.

3 Antworten
  1. Jan
    Jan says:

    Tolles Interview! Vor allem der schonungslose Blick auf 3D ist aus einer Person, die voll in der Branche drinsteckt, absolut zu empfehlen.

    Antworten
    • Gerold Marks
      Gerold Marks says:

      Danke Jan. Das 3D-Kino ist definitiv an einem Wendepunkt angelangt. Da beschäftigt man sich Jahrzehnte mit den Möglichkeiten einer Technik, und dann wird sie aus Bequemlichkeit, Unwissenheit und Geiz auf dem Altar des schnellen Dollars hingerichtet. Es muss in ihm brodeln. In mir übrigens auch. Darüber wird es demnächst noch mehr zu lesen geben.

      Antworten
  2. Johannes
    Johannes says:

    Ich habe erst vor gut einem Jahr 3D für zu Hause entdeckt und liebe es. Jeder meiner Freunde (28-40 J.) ist begeistert wenn ich ihnen 3D vorführe. „Muss ich auch haben“ kriege ich immer zu hören. Der nächste „TV muss 3D können“.

    Ich kann gar nicht genug von 3D bekommen. Ein paar mal im Monat einen 3D Film schauen muss sein.

    Wenn ich dann solch ein Interview lese bin ich als Endkonsument geschockt. Das die Industrie digitale Technik durch die Hintertür einführen wollten, glaube ich gerne.

    In China und Russland steigt der Verkauf von 3D-Technik für Kinos, also das totale Gegenteil zum Westen. China scheint so notgeil auf 3D Kino zu sein das vor kurzem exklusiv und nur für China ein Hollywoodfilm in 3D konvertiert wurde. Die 3D Fassung kriegen wir im Westen nicht zu sehen, die Vertriebe in China zahlten schließlich dafür.

    Und ist man nicht in Asien dabei 3D TVs ohne Brille zu entwickeln und kämpft damit die neue Technik in Massenproduktion herstellen zu können? In den Niederlanden sitzt doch sogar eine Firma die es geschafft hat einen guten 3D-Effekt hinzubekommen egal welche Position der Zuschauer vor dem TV einnimmt. Alles Dinge, die für den Homebereich förderlich sein sollten. Auch wenn Ben Stassen wiederspricht, die meisten Leute die man nach 3D anspricht sagen, dass sie am meisten die olle Brille stört!

    Dennoch sehr interessantes Interview. Bitte mehr davon.

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