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Psychopharmaka für Loser – Filmkritik "Glee on Tour – der 3D-Film"
Als Blogger gehört man ja schon mal direkt zu den Losern und den Außenseitern. Insofern müsste die US-Fernsehserie GLEE ja genau meinen Geschmack treffen. Nun denn, ich bin kein Gleek, wie sich die Fans in einer Mischung des Serientitels und dem Sammelbegriff Geek selber nennen. Nett zum reinzappen, aber es hält mich nicht lange in der Fernsehserie. Dennoch muss man anerkennen, dass GLEE ein echtes Phänomen ist. Gefühlt sind 30 Plätze der Top 100-US-Musikcharts fest in der Hand der Glee-Coverversionen. Wie man bei uns sagt: neben dem eigentlichen Produkt, der Fernsehserie verkaufen sich auch weitere Geschäftsfelder wie geschnitten Brot. Im Rahmen der 360 Grad- Auswertung sitzen die Entscheider mit Zigarre im Ohrensessel und scheinen zu brainstormen: „Los, wir machen Merchandising, T-Shirt-Serien. Die platzieren wir in der Serie, laden sie damit emotional auf und werfen sie auf den Markt.“ „Alt, langweilig, bringt aber Geld. Okay, was noch?“ „Hmm, wenn die eh alle singen und tanzen, können wir doch auch ne Konzertreihe machen? Las Vegas?“ „Ne, zu prätentiös. Schon klassisch durch die Multifunktionshallen der Staaten, man will ja auch an das Portemonnaie der kleinen Leute.“ „Super machen wir. Kann man auch wieder T-Shirts verkaufen.“ „Ja, aber dann bringen wir noch ne Konzertaufnahme raus, können wir nochmal ein bisschen Kleingeld machen.“ „Schon, aber wir hätten gerne grosses Geld.“ „Dann lass uns doch einen Konzertfilm machen, und den bringen wir ins Kino.“ „Gute Idee! Aber so wie Hannah Montana und Justin Bieber, die haben sich doch dusselig verdient mit diesem Brillen-Kino-Film.“ „Genau, das machen wir! Glee 3D der Konzertfilm im Kino! Wenn da die Dollars nicht sprudeln…“
Die hinterhältige Sporttrainerin Jane Lynch in der Serie warnt im Trailer: guckt nicht diesen Film. Spart euch das Geld. Das ist natürlich provakotionstherapeutisch gegenteilig gemeint. Ich hingegen kann das nur bestätigen. Kids, lasst euch für diesen Highconcept-Aufguss kein Geld aus der Tasche ziehen!
Der Glee 3D-Konzertfilm ist kein durchgehendes Konzert. Etwa die Hälfte der Spielzeit gibt es Aufnahmen von Fans vor den Hallen (macht man so, damit sie ihre Freunde ins Kinos schleppen und zu Hause die DBF verehren, auf der sie ja zu sehen sind), den Serien-Darstellern backstage und, aufgeteilt in drei Personen und Handlungsstränge, Berichte von Außenseitern, die durch die Fernsehserie Glee ihr Selbstvertrauen gefunden haben. Glee ein Dokumentarfilm? Warum nicht! Doch stoßen mir dabei zwei Dinge sauer auf: Glee 3D wird hier flach. Allein die Konzertszenen sind stereoskopisch umgesetzt, alles drumrum ist flach und 2D. Und dafür zahlt man den vollen 3D-Zuschlag im Kino, dabei ist Glee nur ein halber 3D-Film. Gut, man braucht ja auch ein bisschen Dynamik in der 3D-Erzählweise, aber das kann hier nicht die Ausrede sein. dass man den Kids hierfür 10 oder 12 Euro aus der Tasche zieht, ist schon beinahe dreist.
Wie sehr Glee ein Gesellschaftsphänomen ist, dass sich perfekt in das Highconcept-System einfügt ist schon brillant. Ohne Film und Fernsehen gäbe es dieses US- Gesellschaftsbild von der Perfektion und Schönheit der Whitebread-World in dieser Form nicht. Jetzt ist der Normalbürger aber mit einem Mangel behaftet, er ist dick, Brillenträger, dunkler Hautfarbe, doofes Blondchen, jüdischer Religion oder gar Rollstuhlfahrer. Machen wir doch die Outsider zu den Stars und geben ihnen eine Projektionsfläche, wo ihr Ebenbild unglaublich geliebt und erfolgreich ist. Da juchzt die kleinwüchsige Cheerleaderin, die sogar zur Miss Promnight gewählt wird. Die dicke zottelige Couchpotato, die endlich auch Freunde findet, weil man zusammen die gleiche Fernsehserie guckt, und der afroamerikanische schwule Teenager, der in der Serienfigur Kurt Hummel sein Role Model für sein Coming Out findet. Durch die Depression an Menschlichkeit im System wird der unperfekte zur Zielgruppe, Glee zum Psychopharmaka, und das muss man wie Prozac einwerfen, immer und noch länger, sonst geht es wieder abwärts in der Depressionspirale.
Was aber, wenn der vermeintlich behinderte Artie den Rollstuhl auf der Tanzbühne plötzlich seinen Rolli verlässt und singt „We can Dance, if we want to?“ He, der kann ja gehen! Und tanzen! Der ist ja gar nicht behindert, das ist ja ein Schauspieler! Betrug, ich will mein Geld zuruck! Ist die Blondine dann etwa gar nicht doof? Trägt Mercedes etwa einen Fatsuite? Ist die jüdische Nase von Rachel aus Putty und nur angeklebt? Ist Hummel-Kurt gar nicht schwul?
Vorher waren die Schauspieler der Serie unbekannt, durch die Interpretation des Unperfekten sind sie Stars. Weil sie einfach näher dran an ihren Fans sind. Keine Frage, sie können singen und tanzen. Aber der Rest scheint eine Gelddruck-Maschine zu sein. Fiktion. Eine schillernde Seifenblase, aufgeblasen bis kurz vor dem Platzen. Da möchte man der spitze Finger sein, der die Staunenden zurück in die Realität holt.
Um noch mal zum Filmischen zurück zu kommen: die Konzertaufnahmen hat Vincent Pace, der Partner von James Cameron bei der Pace/Cameron Fusion Group als Stereographer durchgeführt. Entsprechend hohe Erwartungen durfte man an den Tag legen. Doch etwas enttäuschend: die Arbeit ist zwar solide, aber auch relativ einfallslos. Da hat sich seit dem U23D- Konzertfilm nichts weiter entwickelt. Die Tiefen sind begrenzt durch den Bühnenbau, es gibt ein paar Establishing-Shots durch die Fanmassen in den Hallen. Die Out-of-Screen-Effekte sind gering, und die gigantisch verzerrten Hand-Mikrophone zählen einfach nicht zu ansprechender Stereoskopie. Da wäre mehr drin gewesen, wie 3D- Konzertfilme wie „New Blood“ von Peter Gabriel und das Konzert der Scorpions (ich durfte schon ein paar Szenen sehen) beweisen. Die dokumentarischen Teile hätten sowohl von der formalen Bildgestaltung wie von der räumlich emotionalen Nähe stereoskopisch durchaus spannend umgesetzt werden können, aber dieses Potential hat man verschenkt.
Doch Fans wird das natürlich nicht abhalten, Glee on Tour – den 3D-Film zu sehen. Doch Beeilung, bevor es sich auf der Leinwand ausgeträllert hat.
Bilder © 2011 Twentieth Century Fox – Alle Rechte vorbehalten.
Ice Age 4 schwimmt auf Pirates of the Caribbean-Welle mit neuem Teaserplakat
Alle lieben Scrat. Und alle lieben die Pirates of the Caribbean-Franchise. Zum DVD und BD-Start von Pirates 4 veröffentlicht Fox ganz zufällig das Teaserplakat für den vierten Teil ihrer Animations-Eiszeitsaga „Ice Age – Voll verschoben“ mit einem Scrat auf einer Eisscholle samt zur Piratenflagge gehisstem Streifenhörnchen. Selbstverständlich kommt auch Ice Age 4 in stereoskopischem 3D in die Kinos. Und liefert sich derzeit beim Starttag einen harten Kampf mit Sonys „The Amazing Spiderman“, Scrat und Co werden nun schon ab Montag, dem 2. Juli 2012 starten, das Spinnenman-Reboot einen Tag später am 3. Juli 2012.
Auch wenn ich kein enthusiastischer Fan der Ice Age-Franchise bin, mir macht das Plakat Lust auf mehr! Wie gefällt euch das Teaserplakat für Ice Age 4?
Bild © 2011 Twentieth Century Fox · Alle Rechte vorbehalten.
Pirates of the Caribbean – Fremde Gezeiten als echte Referenz für Realfilm-3D-Blu-rays
Seit einer Woche kann man das Schätzchen schon in der Videothek ausleihen (old school, ich weiß…), ab heute kann man das vierte Abenteuer der phänomenalen Pirates of the Caribbean-Franchise auch endlich käuflich erwerben! Und natürlich finden Jack Sparrow und Hector Barbossa auf DigitaleLeinwand.de ihren Platz, da Pirates of the Caribbean- Fremde Gezeiten als erster Teil der Serie in stereoskopischem 3D in den Kinos zu sehen war und selbstverständlich als stereoskopische Blu-ray 3D erscheint. Der BD3D- Version liegt auch eine 2D-Blu-ray bei, zudem steckt sie in einem hübschen Lentikular-Schuber mit brillenlos plastischem Pirates-Totenkopf mit ablösbarer FSK-Kennzeichnung. Ich habe sie für euch bereits getestet und kann nur loben: wie man es von A-Titeln bei Disney gewohnt ist, kommt auch Pirates 4 in absolut brillanter Bild- und Tonqualität- und großartigem echtem 3D.
Grundsätzlich ist Pirates 4 ein typisches Franchise-Abenteuer mit einem „More-of-the-same“. Aber mit einem Johhny Depp als Captain Jack Sparrow und einem Geoffrey Rush als Hector Barbossa macht das einfach Spaß! Orlando Bloom und Keira Knightley fehlen nicht wirklich beim Reboot der Serie, sie lassen sich durch Missionar und Meerjungfrau austauschen. Pirates 4 bietet einen bewährten Mix aus Abenteuer mit etwas Fantasy und dem typischen Humor. Man hätte es auch „Die Jack Sparrow-Chroniken“ nennen können. Mit einem deutschen Box Office von über 43 Millionen Euro zählt Pirates of the Caribbean- Fremde Gezeiten zu den absoluten Überfliegern des Kinojahres. Und auch international ist Pirates 4 ein Hit: nach nur vier Wochen erreichte der vierte Teil der kultigen Piraten-Abenteuer-Reihe die 1 Milliarden-Dollar-Hürde. Das ist derzeit Platz acht der erfolgreichsten Filme aller Zeiten (nicht inflationsbereinigt).
Kurzinhalt: Captain Jack Sparrow ist wieder da – und kommt nicht los von der See, den Frauen, dem Rum und natürlich der Jagd nach geheimnisvollen Schätzen! Als sich seine Wege mit einer mysteriösen Frau aus seiner Vergangenheit kreuzen, hat ihn die attraktive Angelica (PENÉLOPE CRUZ) schnell am Haken – und treibt ihn auf das Schiff des ebenso legendären wie gefürchteten Piraten Blackbeard (IAN McSHANE). Ist die Verführerin vielleicht eine Verräterin und gar nicht hinter ihm, sondern hinter etwas anderem her? Auf der Suche nach der sagenhaften Quelle der Jugend nimmt Captain Jack Sparrow erneut Kurs auf ein atemberaubendes Abenteuer und stößt dabei auf anmutige Meerjungfrauen, aber auch auf gefährliche Zombies, skrupellose Halsabschneider und seinen alten Rivalen Hector Barbossa (GEOFFREY RUSH). Es wird eine Reise ins Ungewisse, auf der Jack nicht einschätzen kann, wen er mehr fürchten soll – Captain Blackbeard oder Angelica…
Englisch: DTS-HD 7.1 und Dolby Digital 2.0
Türkisch: Dolby Digital 5.1
Video:
Die Blu-ray kommt als MPEG4-MVC in der 3D-Fassung, bzw. als MPEG4-AVC in der 2D-Variante- in perfekter Qualität, die Kompression lässt keinerlei Makel erkennen. Obwohl die Hälfte des Films in der Nacht oder dunklen Orten spielt, sind die Farben auf der 3DBD leuchtend und natürlich, die Bilddynamik vorbildlich, auch ist die Bild- und Kantenschärfe sehr gut. Schärfe und Detailgrad können als Referenz herhalten, jeder Wassertropfen, jede Schramme, jedes Blatt ist deutlich und detailliert. Die Farbgebung ist absolut organisch und die Hauttöne sind in beiden Fassung absolut natürlich.
Stereoskopie:
Man sieht die Qualität eines nativ gedrehtem 3D-Film sofort (wenn auch einzelne Szenen nachträglich konvertiert sein sollen). Die Figuren sind plastisch, die Sets bestechen durch große Tiefe und eine kluge Tiefenstaffelung. Kritiker haben die wenigen Out-of-Screen-Effekte bemängelt, mit denen wirklich recht sparsam umgegangen wurde. Mir persönlich gefällt das recht gut. Und mitunter dürften Kinobesucher einer schlecht eingestellten 3D-Projektion ein echtes AHA-Erlebnis im Detailreichtum und der Zeichnung der Bilder in den Nachtszenen haben. Ein leichtes Ghosting konnte ich im Hintergrund in einer Nachtszene mit Fackeln entdecken, ansonsten glänzt der Film durch eine hervorragende 3D-Qualität ohne Crosstalk-Effekte. Somit wird Pirates of the Caribbean- Fremde Gezeiten eine echte Referenz für den stereoskopischen Realfilm in der Blu-ray 3D-Bibliothek.
Audio:
Der Ton in High Resolution Audio DTS-HD HR 7.1 ist hervorragend, sowohl in der englischen Originalfassung, wie in der deutschen Synchro. Allein der Hans Zimmer-Soundtrack ist mir persönlich an einigen Stellen etwas zu laut und bombastisch, bzw. das Pirates-Leitthema zu aufdringlich eingesetzt. Die Hochtöner werden nicht voll genutzt, die dynamische Natürlichkeit im Bassbereich besticht hingegen. Viele Soundeffekte sorgen für ein immersives Filmerlebnis, natürlich unterstützt von der 7.1- Mischung. Und diese Mischung kann sich hören lassen: trotz heftiger Actionssequenzen sind selbst genuschelte Dialoge gut verständlich. Absolut vorbildlich! Und eine Mahnung an die Kinos, sich nicht nur um ein exzellentes Bild zu kümmern, sondern auch die Soundanlage zu pflegen.
Bonus-Features:
Neben dem Audiokommentar von Regisseur Rob Marshall und Produzent John DeLuca sind die Bonus-Features ein bisschen arg knapp geraten und in 5 Minuten abgehakt. Es warten ein paar „Karibische Piraten-Pannen“, ein Werbetrailer für das Lego-Game „Lego® Pirates of the Caribbean: Captain Jacks Geschichten“. Der auf dem Cover angekündigte Disney Second Screen ist ein Druckfehler, die Applikation für das iPad ist in Deutschland nicht verfügbar. Keine Featurette, kein MakingOf. Das hätte ruhig etwas umfangreicher ausfallen können.
Fazit:
Für echte Piraten, Jack-Sparrow-Fans und Freunde der Stereoskopie mit Fokus auf Tiefendarstellungen ist Pirates of the Caribbean- Fremde Gezeiten ein echtes Muss. Bei der Storyentwicklung muss man sich für eine neue Richtung entscheiden: mehr Jack Sparrow ist immer großartig, die bewährten Zutaten drumrum werden durch ihre Variationen ein wenig austauschbar. Technisch ist Disney mit Pirates 4 eine Referenz gelungen: die Blu-ray besticht mit opulentem Bild und knackigem 7.1-Ton, beides detailreich und dynamisch. Und einer hervorragenden 3D-Fassung in Bild und Narration auf der separaten Blu-ray 3D. Dafür gibt es von mir eine klare Kaufempfehlung!
Die PIRATES OF THE CARIBBEAN-Abenteuer sind in folgenden Editionen erhältlich:
PIRATES OF THE CARIBBEAN – FREMDE GEZEITEN
PIRATES OF THE CARIBBEAN 1 – 4 DVD COLLECTOR’S EDITION
PIRATES OF THE CARIBBEAN DIE PIRATEN – QUADROLOGIE