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Exklusiv: Professor Paul Frommer im Barsoomian-Interview – Konstruktion linguistischer Welten mit dem Schöpfer der Marssprache aus JOHN CARTER

Über 6000 Sprachen werden auf der Erde gesprochen, doch er konstruiert neue Sprachen für fantastische Welten. Linguistik-Professor Paul Frommer erschuf die Sprache der Na’vi in James Camerons AVATAR und konstruierte für das Fantasy-Epos JOHN CARTER – ZWISCHEWN ZWEI WELTEN die Mars-Sprache Barsoomian auf der Basis von Edgar Rice Burroughs Büchern. Im Film sprechen die riesigen vierarmigen echsenähnlichen Tharks Barsoomian, eine besondere Herausforderung für die Schauspieler wie Willem Dafoe, die nicht nur ihren Text, sondern auch noch die Sprache dazu lernen mussten. Doch begegnet uns Barsoomian auch in vielen Schriftzeichen an unterschiedlichen Orten, sogar die Tattoos der Helium-Prinzessin Dejah Thoris bestehen aus den marsianischen Schriftzeichen.
Ich konnte den äußerst sympathischen Paul Frommer über die Entwicklung einer konstruierten Sprache interviewen. Ein leidenschaftlicher Linguist, der seine Faszination lebt. Wir sprachen über die Wortstämme aus Burroughs Werk, die Zusammengehörigkeit von Schriftzeichen und gesprochener Sprache und die Motivation von Menschen aus aller Welt sich in einer Fantasy-Sprache zu verständigen.

Falls es Zweifel gibt: das Interview fand nicht in Barsoomian mit Tharks-Dialekt, sondern auf Englisch statt. Das Fantasyepos JOHN CARTER – ZWISCHEN ZWEI WELTEN ist jetzt überall als DVD, Blu-ray, Blu-ray 3D und Video on Demand erhältlich.

Linguistik-Professor Paul Frommer

DigitaleLeinwand: Herr Frommer, wieviele Sprachen sprechen Sie, inklusive Na’vi und Barsoomian?

Paul Frommer: [Lacht.] Naja, die eigentliche Frage ist, welche ich wirklich fließend spreche. Ich habe sehr viele  Sprachen studiert. Möglicherweise spreche ich Persisch und Malaiisch am besten, da ich einige Zeit in diesen Ländern gelebt habe. Ich habe festgestellt, dass der beste Weg eine Sprache zu lernen das Leben im jeweiligen Land ist. Ich habe vor einiger Zeit im Iran gelebt, daher spreche ich Persisch, und malaiisch, da ich auch in Malaysia lebte. Und natürlich ein bisschen Französisch und Deutsch, ein paar Brocken Hebräisch und Jiddisch und ähnliches. Und es gibt ja in jeder Sprache noch eine Vielzahl Dialekte…

 

DL: Uns interessiert natürlich am meisten, wie Sie eine neue Sprache erschaffen. Wählen Sie eine bestehende Grammatik und ersetzen Worte aus dem Englischen, Hebräischen oder Persischen mit neuen Worten, beispielsweise dem Sprachschatz der Tharks auf Barsoom? Oder werden die Worte und die dazugehörige Grammatik eigenständig erschaffen?

Frommer: Das kommt sehr auf die entsprechende Beauftragung an. Keine der Sprachen, die ich bisher erschaffen habe – und das sind aktuell zwei, Na’vi für Avatar und Barsoomian für John Carter- Zwischen zwei Welten – nichts davon basiert auf etwas anderem. Man kann nicht sagen, dass Na’vi oder Barsoomian auf einer bestimmten irdischen Sprache oder einer Kombination davon besteht, aber es gibt natürlich Elemente die ähnlich funktionieren. Bei John Carter musste ich nicht ganz von Null anfangen, da der Film auf der Romanserie von Edgar Rice Burroughs basiert. Und er hat in seinen Geschichten bereits ein paar  Worte in der Marssprache notiert. Ich habe in etwa 420 verschiedene Worte aus allen Geschichten zusammentragen können. Aber- es gab keinerlei Grammatik. Bezogen auf das Klangsystem habe ich versucht etwas entsprechendes zu den Worten von Burroughs zu kreieren. Die Entwicklung der Grammatik lag vollständig in meiner Hand.

Aber es gab dabei etwas, das mich bei meiner Arbeit an der Barsoomian-Grammatik leitete. So wie die Sprache in den Büchern beschrieben wird, ist sie sehr simpel. Im ersten Buch sagt John Carter: „Die Sprache der Marsbewohner ist äußerst einfach, innerhalb einer Woche konnte ich alle meine Bedürfnisse formulieren, verstand dabei alles, was mir gesagt wurde.“

Dies erlaubte mir die Entwicklung einer wirklich einfachen Grammatik.

Sprachentraining im Schnellkurs: John Carter konnte sich bereits nach einer Woche mit den Tharks verständigen

DL: Haben Sie eine Idee, wie Burroughs diese 420 Worte in Barsoomian gefunden oder erschaffen hat?

Frommer: Nein, ich weiß nicht, wie er dabei vorging. Wenn man sich diese Worte ansieht, bekommt man aber eine Idee davon, dass sie von jemanden geschaffen wurden der zwar sehr kreativ ist, aber über keine große linguistische Erfahrung verfügt. Viele der Worte sehen für mich vom klassischen Griechisch beeinflusst aus. Ich kann es zwar nicht exakt sagen, aber ich schätze, dass die Bildung vor 100 Jahren klassisches Latein und Griechisch beinhaltete und viele seiner benutzen Worte spiegeln das wider. Es gibt beispielsweise viele Worte mit PT- eine bekannte Kombination, offensichtlich auf dem Griechischen basierend. Und es gibt viele Worte mit TH. Also vom Klang der Worte bin ich mir sicher, dass er von den klassischen Sprachen beeinflusst wurde, aber es existiert keinerlei Grammatik in den Romanen, das musste ich übernehmen.

Der junge Burroughs erforscht im Film das Tagebuch seines Onkels John Carter

DL: Aber Sie haben zur Sprache keine Schriftzeichen entwickelt. Ist es nicht ein Widerspruch, dass wir die Tharks zwar in Barsoomian sprechen hören, da wir ihre Sprache aber nicht beherrschen die Untertitel in lateinischen Buchstaben lesen?

Frommer: Die Entwicklung von Schriftzeichen war kein Teil meines Auftrags. Im Film sind unterschiedliche Schriftzeichen zu sehen, aber daran war ich nicht beteiligt.

 

DL: Denken Sie nicht, dass die Entwicklung von Worten und Lauten sowie der Schriftzeichen kohärent sind und ein gemeinsamer Teil  im von Ihnen entwickelten Sprach-Universum  sein sollten?

Frommer: Wenn es relevant für den Film ist, sollte man das auf jeden Fall machen. In den John Carter- Büchern ist beschrieben, dass es nur eine gesprochene Version von Barsoomian gibt. Aber jeder auf dem Mars lebende Stamm verfügt über seine eigene geschriebene Form dieser Sprache. Zurückgehend auf die Fiktion von Burroughs gibt es also sehr unterschiedliche geschriebene Arten dieser einen Sprache. Es ist wichtig eine geschriebene Form der Schrift zu haben. Möglicherweise habe ich irgendwann die Möglichkeit selbst eine zu entwickeln.

Geheimnisvolle Schrift in einer konstruierten Sprache: Dejah Toris und John Carter erforschen das Mysterium der Thans

DL: Ich bin mir sicher, dass viele ihrer Fans darauf gespannt sind. Wie erklären Sie sich die ungeheure Faszination für Fantasy-Sprachen, es gibt viele die Klingonisch, Elbisch, Na’vi oder Barsoomian versuchen zu lernen, miteinander in diesen Sprachen zu kommunizieren, Communities gründen und dort die Sprache pflegen. Wir haben so viele unterschiedliche Sprachen auf der Erde, welches Bedürfnis gibt es eine Fantasy-Sprache zu lernen?

Frommer:  Das ist eine sehr gute Frage, die ich mir oft selber gestellt habe. Ich denke es gibt dafür sehr unterschiedliche Motivationen eine konstruierte Sprache zu lernen. Bei Klingonisch, Na’vi oder Barsoomian dürfte es klar sein: wenn sich Menschen mit dem entsprechenden Film in Verbindung bringen, dann wollen sie auch die Sprache lernen und verstehen. Wie Sie vielleicht wissen , gibt es eine florierende Community von Leuten, die Na’vi sprechen. Sie würden am liebsten auf dem Planeten Pandora leben. Was sie nicht können. Aber eine Möglichkeit ein Teil dieser ganzen Welt zu werden, ist die Sprache zu sprechen. Und es gibt Menschen die sich grundsätzlich für Linguistik interessieren und es als intellektuelle Herausforderung sehen, der Konstruktion der Sprache zu folgen. Und es gibt vielleicht noch einen weiteren Punkt: wenn man eine neue existente irdische Sprache lernt, gibt es immer Muttersprachler, die sie besser beherrschen. Aber wenn man eine konstruierte Sprache lernen, ist man schnell einer der Pioniere. Und ich denke, dass es Personen gibt, denen dieser Aspekt sehr gefällt. Und wie Sie bereits erwähnt haben geht es auch um den Sinn einer Community, das alle etwas gemeinsames teilen. Das sind alles Beweggründe, warum Menschen konstruierte Sprachen lernen.

JOHN CARTER – ZWISCHEN ZWEI WELTEN ist überall als DVD, Blu-ray, Blu-ray 3D und Video on Demand erhältlich

DL: Sie haben vorhin erwähnt, dass man eine Sprache am besten lernt, wenn man im jeweiligen Land (oder auf dem jeweiligen Planeten) lebt. Leider haben wir keine Chance in Helium oder einem Thark-Bergdorf zu leben. Was denken Sie, wie sich Barsoomian weiter entwickeln wird? Ist die Community groß genug und interessiert innerhalb dieses Universums neue Geschichten zu entwickeln? Wir wissen ja nicht, ob wir weitere John Carter-Filme in den nächsten Jahren zu sehen bekommen, möglicherweise auch neue Bücher oder Graphic Novels. Ist die Zukunft der Sprache Barsoomian gesichert?

Frommer: Das hängt sehr vom Interesse der Fans ab. Im Falle von Na’vi, womit ich einfach bisher die meisten Erfahrungen gemacht habe, wollen die Leute die Sprache nicht als Spiel oder Zeitvertrieb lernen, sondern als Vorbereitung für einen interstellaren Ausflug. Ich bekomme ständig E-Mails in konstruierten Sprachen zugeschickt und Leute twittern mit mir in Na’vi. Wir benötigen gutes Material zum Lernen der Sprache, basierend auf den aktuellen Theorien der Sprachenvermittlung. Viele können sich gut in die Schriftsprache reinarbeiten, aber es ist schwieriger Personen zu finden, welche die Sprache auch sprechen können. Aber mittlerweile habe ich in den Communities Menschen gefunden, welche die konstruierten Sprachen täglich sprechen. Und damit an einen Punkt kommen, wo sie besser mit der Sprache um gehen können, als ich selbst. Sie haben sich vollständig hineingestürzt, unterrichten andere in Sprachklassen oder unterstützen sie als Mentor. Das ist eine sehr lebendige und aktive Community.

Wenn die Gesichtstattoos zum Liebesschwüre-Spickzettel werden: in den Tattoos sind feine marsianische Schriftzeichen eingearbeitet

Wenn die Gesichtstattoos zum Liebesschwüre-Spickzettel werden: in Dejahs Tattoos sind feine marsianische Schriftzeichen eingearbeitet

DL: Können Sie sich vorstellen, dass Schüler ein grundsätzlich besseres Verständnis vom Aufbau von Sprache bekommen, wenn sie mit Spaß eine Fantasysprache lernen dürften?

Frommer: Ich denke, dass eine Fantasysprache oder konstruierte Sprache sehr oft Personen anspricht, die vorher nicht unbedingt an Linguistik interessiert waren. Das ist doch eine tolle Sache! Ich habe so viele Geschichten von jungen Menschen gehört… Wissen Sie, ich hatte nie richtig Spaß an meinen Highschool-Kursen in Französisch oder Spanisch oder Deutsch. Aber ich wollte diese Sprachen unbedingt begreifen, also erklärt mir bitte den Unterschied zwischen einem transitiven und einem intransitivem Verb…

Und das ist wirklich eine wunderbare Sache: diese konstruierten Sprachen üben auf diese Menschen eine Faszination aus. Und diese Faszination an der Sprache kann sich übersetzen in eine Faszination an Sprache an sich.

 

DL: Meine letzte Frage: Welche Sprache würden Sie gerne noch erschaffen? Gibt es einen bestimmten Film oder ein Buch oder gar einen Planeten oder eine Rasse?

Frommer: [Lacht.] Ach herrje! Ich würde sagen: was immer mein nächster Auftrag mit sich bringt, bestimmt meine nächste Sprache. Ich hoffe, es wird etwas Interessantes!

 

DL:  Vielen Dank für das spannende Interview und Ihre inspirierende Arbeit, Herr Frommer!

 

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Wer in Barsoomian einsteigen will, sei als Einstieg der Film empfohlen, auf dem man die Aussprache gut nachverfolgen kann. Einen kleinen Leitfaden für die Grundtöne und die Grammatik-Basis gibt es hier. Viel Spaß!

 

AUSSPRACHE-LEITFADEN

ch Wie englisch Bach, Chanukah (kratzender Ton)

gh Gibt es im Englischen nicht. Kratzender Ton, aber stimmhaft. Ähnlich wie das r in „Parisian“.

th Wie englisch thin, nicht wie in then

tj Wie englisch ch in church und chin

x Immer wie ks, selbst am Wortanfang xamad (= ksamad), xan (= ksan)

ao Wie englisch ow in cow

ay Wie englisch eye, my, pie, sigh

ey Wie englisch they

Doppelkonsanten werden länger betont: Jeddak, lekkad, ebbok, skarrus

Kurze Vokale: a, e, i, o, u

Lange Vokale: aa, ey, ee, oa, oo

 

EINIGE BEISPIELSÄTZE

Unterstrichene Silben sind betont.

 

Deutsch: Du wirst heute nicht Jeddak werden, Tal Hajus. Versuch es morgen.

Thark:      Tet    pa         Jeddak kwa pej, Tal Hajus. Daziv kirep.

Nicht werden Jeddak heute,    Tal Hajus.  Versuche morgen.

 

Deutsch: Seht die Beute, die Euer Jeddak gefunden hat.

Thark:     Klool ey vaasor wi jakra   nun Jeddak ba

Seht  Beute die gefunden hat Jeddak Euer

 

Deutsch: Nein! Es ist ein seltenes und wertvolles Tier! Sein Name ist… ein Virginia!

Thark:     Tet!  Nu gahor taong adwam. Eltis nu … Virginia!

Nein es Tier    selten wertvoll. Name sein Virginia

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Das Interview führte Gerold Marks.  Bilder © Disney · Alle Rechte vorbehalten.

Fantasyepos JOHN CARTER – ZWISCHEN ZWEI WELTEN jetzt als Blu-ray 3D erhältlich [Review]

Er gilt als „die Mutter aller ScienceFiction-Filme“: John Carter – Zwischen zwei Welten. Basierend auf den Pulpromanen von Edgar Rice Burroughs verfilmte der Pixarian Andrew Stanton für Disney dieses Fantasy-Epos über einen auf den Mars transportierten Bürgerkriegsveteranen. Sein Überlebenskampf auf Barsoom, wie die Einheimischen den Mars nennen, steht zwischen mythologischen Ursprüngen, archaisch-kriegerischen Stämmen, Bürgerkriegen und futuristischer Wissenschaft. Wer sich gefragt hat, woher die so oft genannten grünen Mars-Menschen stammen- hier ist die Quelle. Vieles von den Inhalten hat man bereits mehr oder weniger als Inspiration für andere SciFi-Filme genutzt, die Parallelen zur Star Wars-Saga sind unverkennbar, die Nähen zu Avatar deutlich, auch Superman mit seinen Helden-Kräften erinnert stark an die Barsoom-Motive.

John Carter – Zwischen zwei Welten bringt eigentlich alles für ein episches Fantasy-Abenteuer mit sich: im Motion Capturing-Verfahren zum Leben erweckte übergroße kriegerische Hexapoden, die Tharks, deren Sprache der Linguist Paul Frommer extra für den Film gestaltete, fantastische Welten mit mysteriösen Tempeln und opulenten Palästen, wunderschöne Kostüme und BodyArt, futuristische auf Licht gleitende Raumfahrzeuge, gigantische brutale Kreaturen im Arenakampf, eine ressourcenausbeutende sich fortbewegende Stadt, geheimnisvolle Waffen, Teleportation, Gestaltwandler, Stammesfehden, ein Spritzer Mythologie und Philsophie und natürlich einen Helden und eine Prinzessin.

Wer das Fantasy-Epos im Kino verpasst hat – und das scheinen nach den Besucherzahlen leider doch einige gewesen zu sein – bekommt nun im Heimkino die Gelegenheit sich mit der Welt von Barsoom vertraut zu machen. John Carter -Zwischen zwei Welten erscheint am 19.7. als DVD, Blu-ray, Blu-ray 3D und Video on Demand für das Heimkino. Ich habe für euch die Blu-ray 3D getestet. Aber zur Einstimmung auf Barsoom erstmal den Trailer für euch:

Kurzinhalt: Der Bürgerkriegsveteran John Carter (Taylor Kitsch) versteckt sich in einer Höhle in der Einöde Arizonas, um nicht den Apache-Indianern in die Arme zu laufen. Als er aus dem Schlaf erwacht, befindet sich John plötzlich in einer bizarren und exotischen Landschaft – eine mythische Kraft hat ihn auf den Mars transportiert.

Der fremde Planet wird von Stämmen wilder Krieger und exotischen Wüstenkreaturen bewohnt und war einst der Erde ähnlich. Doch seit die Ozeane verdampft und die Atmosphäre dünner geworden ist, kämpfen seine Bewohner ums Überleben. Die barbarischen, grünen Riesen und die roten Marisaner bekämpfen einander und versuchen so ihr Überleben auf dem Planeten, den sie Barsoom nennen, zu sichern.

Ehe es sich John Carter versieht, befindet er sich erneut in einem Krieg – diesmal zwischen den verschiedenen Marsianer-Stämmen. Als er aus der Gefangenschaft der riesigen, grünen Barbaren fliehen kann, trifft er auf die Prinzessin Dejah Thoris (Lynn Collins). Die Prinzessin des Heliums ist verzweifelt auf der Suche nach einem Retter, der in der Lage ist, ihren Planeten vor dem Untergang zu retten…

    John Carter – Zwischen zwei Welten

Originaltitel John Carter
Anbieter Walt Disney Studios Home Entertainment (2012)
Laufzeit 132 min
Bildformat 1920x1080p (2.40:1)
Audiokanäle Deutsch DTS-HD HR 7.1
Englisch DTS-HD MA 7.1
Französisch DTS-HD HR 7.1
Türkisch Dolby Digital 5.1
Untertitel Deutsch, Englisch, Französisch, Türkisch, Niederländisch, Arabisch; Englisch für Hörgeschädigte
Regionalcode B
FSK 12

 

Bildqualität

 Bereits im Kino störte mich das Filmkorn, dass durch die Digitalisierung anscheinend nochmal stärker zum Tragen kommt als nötig. Das störte mich vor allem in der 3D-Fassung. Das Bild im Format 2.40:10 ist kontrastreich und wirkt manchmal übersättigt, was aber bei der sonst staubigen und kargen Barsoom-Marslandschaft durchaus in Ordnung ist. Die Effekt-Aufnahmen wirken mitunter etwas „digital“. Die Schärfe- und Detailzeichnung sind gut, der Kontrast  wirkt recht ausgewogen, wobei manchmal übersaturierte Farbwiedergaben als Stilmittel eingesetzt werden- so strahlend blau sind die Augen von Dejah Toris erst seit der Post. Insgesamt bekommen wir aber eine gute optische Darbietung von Barsoom.

Die Stadt Helium

Tonqualität

Die Tonqualität ist der absolute Höhepunkt der Disc.  Sowohl das englische Master, wie auch die deutsche Fassung liegen in exzellentem 7.1- Ton in DTS-HD High Resolution-Codierung vor. Der Surround-Sound ist kraftvoll aber balanciert abgemischt, subtile Toneffekte bleiben eindeutig zu verorten. In den Actionszenen wird es schon mal bombastisch, vor allem bekommt der Subwoofer zu tun, was die gewaltigen Bilder hervorragend unterstützt. Die Dialoge bleiben stets gut verständlich. Da hat Skywalker Sound mit der Master-Mischung wirklich hervorragende Arbeit abgeliefert!

John Carter kämpft in der Arena gegen blinde, aber gigantische weiße Affen

Stereoskopie

John Carter wurde nachträglich ins 3D-Format konvertiert. Die Postproduction-Firma Cinesite hat dafür einen kompletten Workflow erstellt, der als sehr saubere Arbeit zu erkennen ist. Cinesite hatte mit dem Originalmaterial zu kämpfen, da Regisseur Stanton und Kameramann Dan Mindel auf analogen 35mm mit anamorphotischen Linsen gefilmt haben. Das musste für die Verarbeitung zunächst entstaucht und optimiert werden. Das Ergebnis kann sich wirklich sehen lassen: die Figuren sind durch sehr gute Rotoskopie im Raum beweglich, die Kanten scharf. Nur wenige Säume bei Haarfransen lassen sich erkennen. Durch das Composing mit den CGI-Effekten wird zusätzlich gewonnen. Doch bleibt der Film hinter den Möglichkeiten. Auch wenn es sich bei Raumgleitern, fantastischen Kreaturen im Arenakampf, Teleportation und einem hüpfenden Helden angeboten hätte, existieren eigentlich keine Out of Screen-Effekte. Die gesteigerte Tiefenwirkung wirkt natürlich, aber auch hier hätten die räumlichen Höhen und Tiefen der Städte Helium, der Marslandschaft mit seinen Felsen und Schluchten auf dem Wasserlauf oder auch innerhalb der Palasträume durchaus opulenter ausfallen können, was nicht nur den Look, sondern  auch die Atmosphäre unterstützt hätte.

Es gibt ein paar sehr wenige leichte Ghosting-Effekte von hellen Lichtquellen auf dunklem Hintergrund, wie bei den Monden, was aber absolut zu vernachlässigen ist.

John Carter, Sola und Dejah Thoris auf dem Fluss Iss

Ausstattung und Bonusmaterial

Die Blu-ray 3D kommt als Amaray- Keep Case mit O-Ring, der im Vergleich zu vorigen Disney- BD3Ds nicht mehr geprägt ist. Das FSK-Logo ist dem O-Ring aufgedruckt. Es gibt kein Wendecover. Das 2 Disc-Set kommt mit der herkömmlichen Blu-ray-Fassung mit Hauptfilm und Extras in 2D, sowie der zusätzlichen Blu-ray 3D als Vanilla-Version, lediglich der stereoskopische Trailer für Tim Burton kommenden Stopmotion-Film Frankenweenie ist darauf zusätzlich enthalten. Die Extras fallen damit nicht opulent aus, geben aber einen informativen und beeindruckenden Einblick in die Komplexität dieses Filmprojekts. Eine Featurette vom Buch zum Film stellt Edgar Rice Burroughs und den langen Weg zum Film vor. Die zusätzlichen Szenen lassen erahnen, wie sehr man die Geschichte der Figuren und ihre Motivationen eingedampft hat, vielleicht hätte dies dem Film an der einen oder anderen Stelle ganz gut getan. Das sehr gut produzierte Making Of beleuchtet einen kompletten Drehtag am Set, ein Bloopers-Reel sorgt für Spaß.

Ausstattung Blu-ray – Hauptfilm  + Extras

  • 2D- Fassung
  • Von Edgar Rice Burroughs Büchern zum Film
  • Zusätzliche Szenen mit Kommentar des Regisseurs
  • Making Of: John Carter – 360 Grad
  • Pannen auf Barsoom
  • Audiokommentar von Regisseur Andrew Stanton und den Produzenten Jim Morris und Lindsey Collins

Ausstattung Blu-ray 3D – Hauptfilm

  • 3D- Fassung

Prinzessin Dejah Thoris, John Carter und Thark-Frau Sola auf der Flucht

Kritik & Fazit:

Kaum erwähnt man John Carter, landet das Gespräch bei den Finanzen. In der tat ist der Film mit einem geschätzten Budget von 250 Mio. Dollar einigen Erwartungen ausgesetzt, vor allem der schwache US-Start enttäuschte. Dazu sind noch die Vermarktungskosten zu rechnen, so dass man in den USA unterm Strich bei Disney die kolportierte rote 200 schrieb. Weltweit hat der Film über 282 Mio. Dollar eingespielt, was natürlich für einen Film dieser Größenordnung nicht überragend ist. Auch wenn John Carter von der Story genügend Anschlussmöglichkeiten für Fortsetzungen bietet, das finanzielle Risiko wird wohl so schnell kein Studio mehr auf sich nehmen. Das ist eigentlich sehr schade, da die Vielzahl der Erzähl- und Handlungsebenen problemlos der Start für eine Franchise hätte werden können.

Es ist schwierig einen Stoff, der bereits vielen Filmen als Steinbruch diente als etwas Neues und noch nie Gesehenes zu präsentieren. Doch mein größter Kritikpunkt an der Verfilmung ist leider die Story und vielleicht auch die Montage. Man verschenkt die ersten zehn Minuten des Films zur Darstellung der Hauptfigur, statt das Fantastische zu etablieren. Drei verschachtelte Expositionen scheinen ein wenig viel zu sein, das hätte geradeliniger und straffer laufen können. Und doch fehlt es mir manchmal an einer Tiefe, an den Motivationen der Figuren. Ein bisschen Hintergrundgeschichte Thars Tarkas, mehr Mythologie der Thans, das Hofleben auf Helium, das alles könnte interessant sein.

Leider funktioniert für mich das Suspension of Disbelief nicht. Barsoom hatte für mich immer die Anmutung des Drehortes Arizona mit seinen charakteristischen Felsen. Avatar im Vergleich, der sich vieler Ideen Barsooms zu eigen machte, fasziniert durch die lebendige  reichhaltige Dschungel-Landschaft, da wollte man mit den Augen spazieren gehen. Die fantastischen Sets, die auch in ihrer Größe beeindruckend sind, kommen leider manchmal zu wenig zur Geltung, auch die Schönheit der Kostüme, die ganzen Details. Das kann man zum Glück auf der Blu-ray wiederholt ansehen und sukzessive entdecken.

Die Performance Capturing-Leistung von Willem Dafoe und der weiteren Tharks-Darsteller außerhalb eines Studios ist eine echte Leistung, die auch tricktechnisch überzeugt. Die Schauspiel-Leistung von Taylor Kitsch wirkt oft etwas steif mit angeklebtem Bart, ist aber annehmbar. Etwas mehr Charisma hätte ihm gut getan. Bei Lynn Collins als Dejah Thoris war ich ständig abgelenkt von diesen übertrieben blauen Augen und der Farbe ihres Lippenstifts.

Dennoch: ein Fan des Genres Abenteuer oder SciFi kommt an der Ursprungs-Saga John Carter -Zwischen zwei Welten nicht vorbei. Gerade im Blu-ray Heimkino lässt sich das Epos in gutem Bild und fantastischem Ton erleben. Wer möchte auch in der 3D-Fassung, die zwar nachträglich konvertiert, aber sehr ordentlich umgesetzt wurde.  Für alle anderen ist es eine Teleportation in fremde Welten, die man durchaus ausprobieren sollte.

Bilder © Disney · Alle Rechte vorbehalten.

Reif für die Insel, die Unterwelt oder den Mars? Die Blu-ray 3D-Neuveröffentlichungen des Monats

Nachdem im Juni außer B-Ware in Form von für die Blu-ray schnell räumlich aufgemotzten Scheiben keine Blu-ray 3Ds neu veröffentlicht wurden, kommt nun etwas Abwechslung mit Horror, Abenteuer und ScienceFiction in den heimischen Blu-ray-Player. Hier die Blu-ray 3D-Neuveröffentlichungen des Monats:

 

Die Reise zur geheimnisvollen Insel
 
  • erscheint am 06. Juli 2012
  • Abenteuer | Brad Peyton | USA 2012 | Warner Bros.
  • in 3D produziert

Die Fortsetzung des ersten vollständig digitalen 3D-Films von 2008 „Die Reise zum Mittelpunkt der Erde“ plündert weiter die phantasievollen Ideen von Jules Vernes.

Statt Brendan Fraser gibt nun The Rock den Familienvater, der Josh Hutcherson auf die geheimnisvolle Insel begleitet – eine Welt voll seltsamer Lebewesen, goldener Berge, lebensgefährlicher Vulkane und verblüffender Geheimnisse.

Mit kleinem Budget erzielte Journey 2 wieder ein dickes Boxoffice und ist für die Freunde von PopOut-Effekten, also 3D, das einem um die Nase fliegt, genau das richtige Abenteuer auf Blu-ray 3D.

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Underworld Awakening 3D
  • erscheint am 12. Juli 2012
  • Fantasy, Horror, Games-Verfilmung | Måns Mårlind, Björn Stein | USA 2012 | Sony Pictures
  • in 3D gefilmt

Nach der Abwesenheit im dritten Teil der Franchise ist nun Kate Beckinsale als Vampirin Selene zurück. Nachdem sie aus einem Koma erwacht und ihrem Gefängnis ausbricht, stellkt sich die V-Frage: wer ist der Vater ihrer Tochter Nissa, die sich als Hybrid aus Lykaner und Vampir mit der üblichen Halbblut-Problematik rumzuschlagen hat. Außerdem haben die Menschen den perfiden Plan erdacht, Lykaner und Vampire gegenseitig ausrotten zu lassen.

Neben den üblichen Schauwerten von Kate und kämpfenden CG-Kreaturen pimpt sich der vierte Teil der Videospiel-Verfilmung durch 3D.

 

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John Carter – Zwischen zwei Welten
  • erscheint am 19. Juli 2012
  • Science Fiction, Abenteuer, Romanverfilmung | Andrew Stanton | USA 2012 | Disney
  • von 2D in 3D konvertiert

Edgar Rice Burrouhgs Novelle über den Weltenwanderer John Carter ist Mutter aller SciFi-Werke. Oscar-Preisträger Andrew Stanton ließ nun das spektakuläre Fantasy-Epos zwischen erde und Mars, oder besser gesagt Barsoom, auf der Kinoleinwand Wirklichkeit werden. Inklusive einem Taylor Kitsch in Bestform, schöner und schlauer Mars-Prinzessinnen, schlagkräftigen gigantischen weißen Affen und Willem Dafoe auf Stelzen als grüner Hexapoden-Jeddack Tars Tarkas.

Den Einspielzahlen nach erreichte das 3D-Abenteuer nicht alle SciFi-Fans im Kino. Wer das Fantasy-Spektakel auf der großen Leinwand verpasst hat, darf sich nun auf die Blu-ray 3D freuen- eine ausführliche Rezension folgt.