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Wie produziert man einen Live-Action 3D-Film? Topper-Team gibt Auskunft

Stereoskopische 3D-Filme spielen derzeit in allen Kinos und belegen seit 15 Wochen den Spitzenplatz der deutschen Kinocharts. Doch gibt es, gerade in Deutschland, bisher nur sehr wenige Filmemacher die sich mit dem Thema der Tiefendimension beschäftigt haben und dieses Format wirklich beherrschen. Der Film über den Action-Star unserer Kinojugend, Til Topper,  ist der erste deutsche Real-3D-Film einer Hochschule, der in S3D produziert wurde.  Die HFF Konrad Wolf in Potsdam bringt aber nicht nur ein 3D-Projekt auf die Leinwand, sondern teilt auch das Wissen, was alle Beteiligten bei der Produktion sammeln konnten in Featurettes.

In diesem Video gibt Regisseur Félix Koch einen kurzen Einblick in die Grundlagen der Stereoskopie und erläutert, wie das stereoskopische Sehen funktioniert.

http://www.youtube.com/watch?v=xch8G9ESAYE

(via Topper3D)

Transkript des Interviews: Wir haben und sehen mit zwei Augen. Wenn man mit einer normalen Filmkamera drehen würde, dann wäre das so, als wenn man nur mit einem Auge drehen würde. Um einen 3D-Film zu drehen, brauchen wir zwei Kameras. Da fing das Problem schon an. Zwei Kameras sind zwei Kameras. Das heißt alles ist doppelt vorhanden. Zwei Kameras, zwei Kabel, zwei Objektivsätze. Das nächste Problem ist, dass diese beiden Kameras, bevor dieser 3D-Effekt entsteht, richtig aufeinander justiert werden müssen. Das funktioniert folgendermaßen:
Erst einmal müssen beide Kameras so eingerichtet werden, dass sie das gleiche Bild machen. Als würde ich meine beiden Augen zusammen schieben. Wie eine normale Kamera filmt. Wenn diese beiden Kameras so eingestellt sind, dass sie das gleiche Bild machen, zieht man die Kameras ein Stück auseinander. Am besten so weit, wie meine Augen auseinander liegen. Das sind ca. 6,4 Zentimeter. Dadurch filmt die linke Kamera ein leicht anderes Bild als die rechte Kamera. Weil wenn man seinen Finger vor das Auge hält, sieht mein rechtes Auge auch ein anderes Bild als mein linkes Auge. Dasselbe passiert auch in 3D. So entsteht dieser 3D-Effekt. Stelle man sich vor beide Kameras würden einen Würfel filmen, dann würde die eine Kamera mehr die eine Seite filmen, während die Andere die andere Seite des Würfels. Dadurch entsteht dieser Raumeindruck.
Wir filmen also, dann wird der Film geschnitten. Wird er dann gezeigt, müssen natürlich diese beiden Bilder wieder jeweils dem richtigen Auge zugeordnet werden. Da man aber nicht zwei Leinwände hat, weil man ansonsten schielen müsste, werden beide Bilder zeitgleich projiziert.
Dafür gibt es dann diese Brillen, die die Bilder von der Leinwand trennen, sodass jedes Auge das Bild sieht, welches es sehen soll. Jedes Brillenglas lässt nur ein Bild durch.
In meinem Kopf werden diese beiden Bilder dann zusammen geschoben und ergeben den räumlichen Eindruck. Räumlich sehen funktioniert also nur, wenn jedes Auge ein etwas anderes Bild sieht als das andere Auge.

Ein weiteres Interview beschäftigt sich mit der Stoffindung für einen 3D-Film. Drehbuchautor Florian Hawemann, der Regisseur Félix Koch, Producerin Jennifer Hoffmann und Produktionsleiter Paul Andexel gehen der Frage nach, in wie weit es einen Unterschied macht für 3D zu schreiben, worum es im Film „Topper gibt nicht auf!“ geht, und wie es überhaupt zu dem Stoff kam.

(via Topper3D)

Regisseur Félix Koch berichtet in diesem Interview über die Drehvorbereitung der Studenten der HFF “Konrad Wolf”.

http://www.youtube.com/watch?v=Zzfxp7BccN4

(via Topper3D)

Transkript des Interviews: Wenn man zum ersten Mal einen 3D-Film dreht, muss man sich extrem gut vorbereiten, da man nicht weiß, was einen erwartet. Man kennt diese Kameratechnik nicht so genau und muss schon gewappnet sein, wenn beim Dreh Probleme auftreten. Es bringt nichts, wenn man sich nur diese Kameratechnik, die kein Mensch vorher ausprobiert hat, und guckt einfach mal was passiert. Das Risiko dabei ist viel zu hoch, dass etwas schief geht. Ansonsten stehen 20 Leute rum und drehen Däumchen während einer sagt „Hätten wir das man vorher gewusst“. Also muss man vorplanen. Und das haben wir ausgiebigst. Die Vorplanung für den Film sah so aus, dass wir an der Schule Seminare hatten, in denen uns die 3D-Technik erläutert wurde, mit allen ihren Facetten. Wir hatten interessante Gäste zu Besuch, die sich mit 3D und stereoskopischen Film beschäftigen. Wir bekamen Vorträge über das menschliche Auge. Es waren Techniker da, die sich um die Technik hinter der Kamera gekümmert haben. Es war sehr interessant und aufschlussreich und notwendig für diesen Film. Man kann keinen 3D-Film wie einen normalen realen 2D-Film drehen. Man muss sich extrem gut vorbereiten.

Bildgestalter Benjamin Raeder erläutert die Vorbereitung der Kamerastudenten der HFF für den Dreh ihres Films.

http://www.youtube.com/watch?v=4ogFaPOY8NQ

(via Topper3D)

Transkript:  Als diese Idee aufkam dieses Projekt in 3-D zu drehen, wusste ich quasi nix bis auf 3-D-Fotografien, wo man mit rot-grünen Brillen 3-D sieht oder Systeme, wo man durch Lupen auf Fotografien guckt. Ich kannte auch 3-D-Filme vom Rummel, und wusste natürlich auch, dass es 2 Kameras geben muss, um die zu drehen. Aber das war sozusagen nur ein ganz rudimentäres Wissen. Und es war aber klar, dass wir eine ganz intensive Vorbereitung kriegen würden, was Grundlagen von 3-D angeht. Und auch, wie wir es technisch umsetzen würden. Die Vorbereitungszeit war relativ intensiv. Wir hatten mehrere Seminare, Testdrehs mit der Technik, die die Schule hat, und wir waren am Ende dann sehr gut vorbereitet.

Wie liefen die Seminare ab und was genau wurde euch dort vermittelt?

Es gab zu Anfang ein Seminar, das Robert Laatz und Michael Laakmann geleitet haben, in dem es um Grundlagen des 3-D-Kinos ging. Wie erzählt man räumliche, perspektivische Tiefe, auch erstmal in 2-D, mit einer Staffelung von Gegenständen, mit einer atmosphärischen Tiefe. Diese tiefenräumliche Wahrnehmung in 2-D lässt sich ja auch in 3-D übertragen. Um diese Grundlagen und erste Tests ging es da vor allem. Wir haben ein Spiegelrig, was die Schule sich gekauft hat, das erste Mal probiert, und die EX3en, zwei Sony-Kameras, aufgebaut. Mit einem Clipster, den die Schule neu angeschafft hat, haben wir zwei Kamerastreams aufgezeichnet, was am Anfang viel Probieren war, weil es neue Technik für die Schule ist. Wir haben uns da so langsam rangetastet. Es gab dann noch ein weiteres Seminar, wo Josef Kluger von KUK-Film aus München da war, in dem es noch mal ein bisschen mehr in die Tiefe ging. Das ist halt eine Firma, die sich viel mit 3-D beschäftigt und die da ein hohes Wissen in der Richtung haben. Das ging noch mal in die Tiefe, weil als das vorbei war, waren es halt 2 Wochen sehr kompakte Einführungen, sehr kompakte Seminare, da fühlten wir uns dann, glaube ich, gut vorbereitet.

Topper gibt nicht auf! feiert Anfang Mai seine offizielle Premiere in Berlin. Alle Infos über den Film gibt es auf dem täglich lesenswerten Blog zum Film Topper3.de. Wünscht euch den Film in ein Kino in eurer Nähe mit Moviac!

Filmproduktionsprozess digital

Die technische voranschreitende Entwicklung der Digitalisierung ermöglicht Neuerungen im gesamten Filmproduktions-Zyklus. Nicht nur das Abspiel wird von analogem auf digitales Material umgestellt, auch die Produktion und Distribution durchlaufen hiermit Veränderungen. Die nachfolgende Abbildung erläutert die einzelnen Schritte der Produktion.

Filmproduktionsprozess

Filmproduktionsprozess

In der Pre-Production werden Drehbücher und Storyboards digital angefertigt. Über entsprechende Zugriffe wird kollaboratives, asynchrones Arbeiten ermöglicht. Veränderungen am Text können schnell umgesetzt oder bearbeitet werden. Zeichnungen für das Storyboard können direkt über Zeichentabletts als digitale Bilder angefertigt werden. Bilder lassen sich ergänzen oder verändern, oder Farbvariationen testen und über Compositing weitere Ebenen hinzufügen. Previsualisierungen wie Animatics bieten einen zeitbasierten Ablauf der Bilder, um Handlung, Timing und Stimmungen der Szenen festzulegen, oftmals werden Tonebenen wie Sprache, Musik und Geräusche an die Bilder angelegt. Einzelne Bilder, Tonebenen oder das Timing kann leicht verändert und direkt getestet werden.

In der Produktion werden die Szenen in Bild und Ton erstellt. Hochauflösende digitale Filmkameras finden fortschreitende Verbreitung. Ein großer Vorteil digitalen Materials ist die Möglichkeit zur direkten Kontrolle der gedrehten Szenen. Es muss kein analoges Filmmaterial über Nacht entwickelt werden, die digitalen Aufzeichnungen können direkt vor Ort gesichtet und auf Qualität überprüft werden.

Das erzeugte Material kann mit einer Datenverbindung oder auf einem Datenträger an die Postproduktion geschickt werden. Dort werden Bild und Ton digital bearbeitet. Animationen und Spezialeffekte lassen sich einfügen. Da diese heute fast ausschließlich computergeneriert sind, lässt sich durch die digitalen Aufnahmen viel Zeit für den sonst erforderlichen Schritt des Rollfilm-Scans einsparen. Auch der Schnitt des Materials kann an entsprechenden Workstations mit beispielsweise Avid oder Final Cut digital erfolgen. Vorabversionen lassen sich beispielsweise für Testscreenings oder Abnahmen ausspielen. Schließlich erfolgt das digitale Mastering, in dem die Endversion des Films als Digital Source Master (DSM) ausgespielt, und an den Verleih weitergeleitet wird.
Im Auftrag des Verleihs übernimmt ein Playout-Center oder Kopierwerk die Archivierung der hochauflösenden Master und die Vervielfältigung des Films auf digitalen Datenträgern für die Kinos. Ein Digital Cinema Distribution Master (DCDM) wird erstellt. Es beinhaltet sämtliche projektionsbezogenen Daten, wie Bild, Ton, unterschiedliche Sprachversionen und Untertitel. Es besteht die Möglichkeit der Erweiterung mit individuellen Codecs.
In der Distribution erfolgt der Versand mittels Datenträger oder über per Datenübertragung im Push- oder auch Pullprinzip. Dabei sind Verschlüsslungen erforderlich, um einen Schutz gegen Raubkopien zu bieten. Sogenannte Intermediaries übernehmen die verlustfreie Übertragung der Daten per Datenleitung.
Im Vorführraum des Kinos werden die Filme auf den Server überspielt oder mit speziellen Festplatten als Wechselplatte integriert. Zusammen mit den digitalen Schlüsseln werden die Filme für die Vorführung freigeschaltet und für das Abspiel, die Projektion, vorbereitet. Hierbei lassen sich über Peripheriesysteme auch die vorgeschaltete Produkt- und Trailerwerbung kombinieren und systematisierte Abläufe zusammen mit den Theater Management System (TMS) steuern.

Anhand der einzelnen Schritte wird deutlich, wie sich durch die voranschreitende Digitalisierung Arbeitsprozesse verändern. Zusammenarbeit kann kollaborativer, dezentralisierter und effizienter gestaltet werden. Während die ersten Schritte bereits zunehmend den analogen Bereich verlassen haben, hinkt die digitale Projektion gerade in Deutschland noch sehr hinterher. Es gilt Synergien zu nutzen und Geschäftsfelder zu besetzen. Also, in die Hände gespuckt und 1 und 0 fabrizieren!