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DIE FANTASTISCHE WELT VON OZ- Interview mit Senior VFX-Supervisor Scott Stokdyk

Über 490 Millionen Dollar spielte die Vorgeschichte um den sagenumwobenen Zauberer in der FANTASTISCHEN WELT VON OZ am Boxoffice ein, die Disney im März 2013 in unsere Kinos brachte. James Franco als Zirkusmagier von fragwürdiger Moral Oscar Diggs wird durch einen Tornado direkt von Kansas in das phantasievolle Land OZ transportiert, wo Gefahren und ein unermesslicher Reichtum wartet- wenn da die Sache mit der bösen Hexe nicht wäre.

OZ- Editionen
In einer Welt mit riesigen Schlössern, finsteren Wäldern, monumentalen Bergen, einer Stadt auf feinstem Porzellan, Munchkins, fliegenden Affen und viel Magie und Phantastik haben Ausstatter und vor allem VFX-Artists alle Hände voll zu tun. Zum Heimkino-Start von DIE FANTASTISCHE WELT VON OZ, die seit dem 11. Juli 2013 auf Blu-ray 3D, Blu-ray und DVD zu haben ist, konnte ich mit Scott Stokdyk von Sony Pictures Imageworks ein Interview über seine Arbeit führen. Der Senior Viual Effects Supervisor ist langjährige Mitarbeiter von Sam Raimi, und hat an Filmen wie Terminator 2 3D: Battle Across Time, Hollow Man, Stuart Little und Raimis Spider-Man-Trilogie gearbeitet, für die VFX am zweiten Teil wurde er 2005 mit dem Academy Award Oscar ausgezeichnet.

Scott Stokddyk- Sony Pictures ImageworksScott, bitte beschreiben Sie kurz Ihre Funktion als Senior Visual Effects Supervisor für Die Fantastische Welt von Oz.  

Gern! Ich arbeite seit 10 Jahren mit Regisseur Sam Raimi und wurde recht früh für das Filmprojekt angefragt. Wir haben gemeinsam seit der Preproduction daran gearbeitet. Während der Drehzeit war ich für sieben Monate vor Ort am Set in Detroit und habe schließlich im Laufe eines Jahres in Los Angeles die Postproduction geleistet.

 

Sie waren also bereits ganz vom Anfang der Produktion in der Previzualisierung involviert?

Ja, das stimmt. Ich war für zweieinhalb Jahre mit Oz beschäftigt und im Laufe der Zeit mit den unterschiedlichsten Departments kollaboriert. Dabei war ich intensiv mit dem Art Department und Productiondesigner Robert Stromberg im Austausch, als auch mit der Crew der Previsualisierung.

 

Worin bestand die größte Herausforderung in der Arbeit an Die fantastische Welt von Oz?

Der Film enthält gut 1500 VFX-Shots, von denen  Sony Pictures Imageworks gut 1100 Shots realisiert hat, darunter das Porzellanmädchen China Girl, die fliegenden Affen FInley und die ganzen Paviane, sowie viele der Umgebungen. Dazu kamen VFX-Shots von Digiscope, Luma Pictures, Method, Evil Eye Pictures und Reliance MediaWorks.

Am anspruchsvollsten erwies sich die Sequenz mit der großen Schlacht zum Ende des Films. Das war eine sehr komplexe Kombination aus Charakteranimation, Effektanimation und der Lichtgestaltung, wobei die Beleuchtung bei jedem Schuss angepasst wurde. Das war eine große künstlerische Herausforderung für mich und mein Team, vor allem aufgrund des Zusammenspiels.

 

Zu welchem Zeitpunkt der Filmproduktion wurde das Stereo-3D hinzugefügt? Haben Sie die Dreidimensionalität bereits von Anfang an gedacht und geplant oder und erst später als Gestaltungsmittel hinzugefügt?

Sam Raimis Anspruch war, ein gutes 3D-Produkt abliefern. Wir haben das 3D ganz zu Beginn der Produktion hinzugefügt. Zwar wurde keine 3D-Previsualisierug für Oz angefertigt, aber ansonsten war alles sehr früh auf Stereo-3D ausgelegt. Wir hatten Stereographer in der ersten und der zweiten Unit, der zweite Stereographer Ed Marsh  stand uns während der gesamten Postproduction zur Verfügung, was wirklich sehr hilfreich war.

Oz-Progression

Progression des Digitalen Mattepainting der Schatzkammer vom Blue Screen über die Modellierung zum finalen Bild

Wie hat der Einsatz von 3D Ihre Arbeit als VFX-Supervisor beeinflusst?

Für mich war 3D ein zusätzlicher Layer im Design. Ich konnte in der Gestaltung auch in der Tiefe arbeiten. Wir mussten intensiv über Volumen und Raumabstände nachdenken, diese für jedes Objekt im Film planen. Das erzeugt viel extra Arbeit, zahlt sich aber schließlich im Film sogar in der 2D-Fassung aus.

 

Können Sie uns einen kurzen Einblick in den 3D-Workflow des Films geben? 

Wir haben nativ in 3D mit gepaarten RED Epics auf 3Ality Technical Atom Rigs gedreht. Die Dailies kamen zur Ansicht in 3D. Die VFX-Shots wurden auf die Stereopaare angepasst. Es gab eine minimale Bereinigung am nativen Ausgangsmaterial, dabei blieb das Hero 2D-Auge unangetastet, während kleine Justierungen am anderen Auge erfolgten. Weniger als ein Dutzend der Szenen wurden nachträglich in 3D konvertiert, da es aus technischen Gründen ein paar Schüsse mit einer Einzelkamera gab, oder die Tiefe nachträglich verändert werden musste. Viele Effektlayer wurden in die Vorder-, Mittel- und Hintergründe eingefügt, um Volumen zu erzeugen. Bei Sony Imageworks hat Scott Willman die 3D-Arbeit als Supervisor geleitet. Die Szenen wurden zunächst in 2D von Sam freigegeben. Unser Stereographer Ed Marsh hat die finale 3D-Version verantwortet, die schließlich von Sam freigegeben wurde.

Sie haben bereits in G-Force – Agenten mit Biss den Scope on Flat-Effekt eingesetzt, um einen zusätzlichen räumlichen Effektlayer zu erhalten. In Oz haben sie mit dem Seitenverhältnis gespielt, auch hier kam es zu einer räumlichen Überschreitung durch die 3D-Effekte. Entwickelt sich in Ihren Augen eine neue visuelle Bildspache, oder eine neue Grammatik?

Ich bin froh, dass sie den Trick in G-Force bemerkt haben! Richtig, in den Kansas-Szenen haben wir das Durchbrechen des künstlichen schwarze Fensters mehrfach eingesetzt, um mit der Handlung aus dem Boxframe auszubrechen. Ich persönlich mochte den Schwarz/Weiss-Effekt in 3D sehr gern, das ist visuell besonders.

Sam wollte eine dramatische Veränderung von der Welt in Kansas zu der fantastischen Welt von Oz. Es war seine Entscheidung mit dem Seitenverhältnis zu spielen und die Schwarz/Weiss-Überbelendung zu dieser farbenprächtigen Welt zu nutzen.

Eine lustige Randnotiz: wir haben die Szenen in Kansas zunächst als Fullframe gedreht und später beschnitten, um das angepeilte Format zu erhalten. Dabei ist das volle Bild so viel dynamischer und interessanter, vor allem im Tornado. Wir haben es alle ein wenig bedauert, dass wir dieses schöne Material auf die Box beschränkten, da so viel schönes Bildmaterial außerhalb lag. Aber die Arbeit war nicht vergebens, man wird im Disney Themepark in Kalifornien die Szenen in ihrer vollen Pracht sehen können.

Vom klassischen Seitenverhältnis und Schwarz/Weiss ins farbenprächtige Breitbild- der Bildrahmen wird als Effektlayer eingesetzt

 

Haben Sie 3D lediglich als Effekt eingesetzt, oder auch als Storytelling-Tool, um die Geschichte und die Protagonisten zu unterstützen?

Da ist eine sehr interessante Frage. Ich würde das grundsätzlich mit JA beantworten, im Sinne, dass unser gesamtes Design der Geschichte dient. Auch die visuellen Effekte dienen direkt und sekundär der Geschichte. Aber ich bin mir unsicher, ob es jemals eine klare Korrelation gab, die durch 3D transportiert wurde, es war mehr eine Interaktion.

 

Die VFX wurden in den letzten Jahren mitunter so photorealistisch, dass man den Unterschied zwischen echtem und generiertem Bild kaum mehr erkennen kann. Was hat sich in den letzten 10 Jahren in ihrer Arbeit verändert und was erwarten Sie für die Zukunft?

Als Grundlinie kann man sagen, dass unsere Lighting-Modelle physikalisch sehr viel akkurater geworden sind als je zuvor. Durch die gestiegene Rechenleistung können wir mehr Berechnungszyklen durchlaufen lassen, die ein physikalisch realeres Licht ermöglichen. Dadurch wirken die Bilder insgesamt stimmiger, was wiederum die Art-Direktoren anspornt die Bilder noch realer wirken zu lassen.

Vom heutigen Standpunkt erwarte ich für die Zukunft mehr Raum und Zeit für Art-Direktion. Die Zeit, die man vorher investierte um Objekte natürlicher aussehen zu lassen, kann künftig dazu verwendet werden, Szenerien und Objekte noch interessanter oder ungewöhnlicher oder schöner zu gestalten, so wie es am besten der Story dient.

Live-Action, riesige Set-Extensions und Digital Backlots, animierte CGI-Figuren und eine aufwändige künstliche Beleuchtung- die Herausforderungen waren ebenso phantastisch

Live-Action, riesige Set-Extensions und Digital Backlots, animierte CGI-Figuren und eine aufwändige künstliche Beleuchtung- die Herausforderungen waren ebenso phantastisch

 

Aktuell besteht die Schwierigkeit darin, dass die VFX einen Großteil des Budgets verschlingen und die Produktionsfirmen zur Risikominimierung lieber sparen, anstatt die Welten noch großartiger aussehen zu lassen. Gibt es von Ihnen einen Kommentar zu den VFX-Protesten der letzten Monate?

Sie wissen, es ist derzeit recht hart für die VFX-Industrie [lacht etwas verlegen]. Ich denke, ich habe darauf derzeit auch keine besseren Antworten als andere in der Branche. Wir suchen alle nach Antworten und ich bin optimistisch, dass den großartigen Künstlern aus unserem Bereich etwas Zukunftsweisendes gelingt. Da bin ich sehr zuversichtlich.

An welchen kommenden Filmprojekten arbeiten Sie, wird es ein Sequel zu OZ geben?
Derzeit evaluiere ich noch mein nächstes Filmprojekt. Und ich bin da sehr aufgeschlossen, es gibt einige sehr interessante Projekte. Aber noch nichts, worüber ich zu diesem Zeitpunkt sprechen könnte.
 
Wird es ein 3D-Film sein?
Ich hoffe wirklich, dass mein nächstes Filmprojekt eine 3D-Produktion wird. Design für 3D ist eine eigene Kunst und ich denke, dass es noch viel Potential für zukünftige Kreativität birgt. Wir konnten so phantasievoll mit dem Format arbeiten, dass ich wirklich auf ein weiteres 3D-Projekt hoffe.

Vielen Dank für das Interview, Scott!

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Wer noch tiefer in die phantastische Welt von Oz vordringen möchte, seien die VFX-MakingOfs von  Sony Pictures Imageworks empfohlen, in der Scott Stokdyk exklusive Einblicke in die aufwändige Produktion und die Entstehung unterschiedlicher Szenen gewährt:

Balloon Crash and River Rapids Shot Build

Bubble Voyage

China Town Shot Build

Treasure Room Shot Build

Bilder © Disney · Alle Rechte vorbehalten.

Don’t the f*&@ing mess with us – klare Botschaft von HÄNSEL UND GRETEL – HEXENJÄGER an die Hexen von OZ

Welche märchenhafte Filmadaption macht das Rennen an diesem Wochenende im 3D-Kino? Den aktuellen Trends nach kämpfen sowohl Hänsel und Gretel – Hexenjäger wie der Neustart Die fantastische Welt von Oz mit rund 225.000 Besuchern um den Spitzenplatz der deutschen Kinocharts. Die beiden Hexenjäger richten – wie das MashUp-Plakat unten beweist – eine klare Botschaft an Evanora, Glinda und Theodora. Aber Disney ist mutig vorausblickend vom Erfolg ihres Oz-Prequels überzeugt und hat frisch das Drehbuch für eine Fortsetzung beauftragt.

Bildgewaltiges Family-Entertainment versus  R-Rated Genre- was ist euer Favorit? Und wie wird das erste nächste Woche, wenn sich Gretels Verehrer Edward mit Jacks Riesen rumschlagen muss?

Hexenjäger von OZ

Bild © Unknown Artist mit Material von Paramount Pictures und Disney · Alle Rechte vorbehalten.

Trailer für Millionen – die Filmspots beim Super Bowl XLVII (OZ, IRON MAN 3, STAR TREK 2, LONE RANGER, F&F6…)

Es ist jährlich die teuerste Trailerschau der Welt- das Sportgroßereignis des Super Bowls lockt mehrere hundert Millionen US-Amerikaner vor die Glotze. SuperBowlDoch mittlerweile erwartet man mehr als ein Endspiel im American Football, bei dem sich in diesem Jahr die San Francisco 49ers und die Baltimore Ravens in New Orleans gegenüber stehen. Es gibt so unendlich viele Werbepausen zu füllen, und die Werbeindustrie befeuert dies aus vollen Rohren. Auch für Filmtrailer eine Hochsaison, wer Blockbuster im aktuellen Kinojahr werden will, wirbt beim Super Bowl. Natürlich sind da auch die 3D-Tentpolefilme der Mayors dabei. Und das Vergnügen der breiten Audience hat einen wachsenden Preis, noch vor wenigen Jahren war ein Spot für ein Milliönchen zu versenden, aktuell kostete die Sendung eines 30-Sekunden Spots durchschnittlich stolze 3,8 Millionen US-Dollar. Ich habe euch alle Super Bowl-Filmclips zusammengestellt:

 

DIE FANTASTISCHE WELT VON OZ

Spiderman-Regisseur Sam Raimi führt die Zuschauer ab dem 7.März 2013 zurück in Frank Baums Fantasiewelt von OZ. Das sieht nach einer Mischung aus Avatar und Alice im Wunderland aus, was wenig aufgrund des Production-Designers aller drei Filme, Robert Stromberg wenig verwundert. Und Disney hätte sich er nichts dagegen, den Milliardenerfolg von Tim Burtons Alice im Wunderland zu wiederholen. Im SuperBowl-Spot setzt man auf die kurze bekannte Einführung von Kansas via Heißluftballon nach Oz, schlägt aber dann einen deutlich actionlastigeren Ton an. Es gibt ja immerhin mit Glinda, Theodora und Evanora gleich drei Hexen (plus dem Zauberer), bei denen man nicht weiß, ob sie auf der dunklen oder hellen Seite stehen. Und da 30 Sekunden sehr kurz sein können, wird es statt epischem Storytelling eher CGI-Feuerwerk:

 

IRON MAN 3

Der erste Film der Marvel Universe-Phase 2 hat den scheußlichen Trend des Trailer-Trailers aufgegriffen, und bereits am Freitag kurzes neues Bewegtmaterial durchs Netz verbreitet. Iron Man 3, diesmal in der Regie von Shane Black, beleuchtet natürlich erneut den Aufstieg und Fall des Milliardärs/Playboys/Genies/Exzentrikers Tony Stark (Robert Downey Jr.), diesmal im Kampf gegen den terroristischen Mandarin, wie immer herrlich böse verkörpert von Ben Kingsley. Das spannendste im Film wird vermutlich das Tie-In des Iron Man in seiner zentralen Figur zwischen Einzelstory, The Avengers-Sequel und der gemunkelten Guardians of the Galaxy-Brücke. Ab dem 2. Mai 2013 wissen wir mehr. Im Super Bowl Spot rettet Iron Man die Passagiere eines vom Mandarin gesprengten Flugzeugs- natürlich im freien Fall. Na gut, es ist nicht irgendein Flugzeug, sondern die Maschine des Präsidenten, die Air Force One.

Hier der Trailer-Trailer:

 

Der Iron Man 3- Super Bowl Spot:

 

Und, well Done, well Done, liebes Marvel-Marketing, der im SuperBowl Spot geteaste Extended-Trailer, der direkt im Anschluss der TV-Ausstrahlung auf Facebook veröffentlicht wurde. Inklusive Staring Contest. Wunderbar!

 

Und auch ein neues Teaserplakat gab es frisch zum Super Bowl mit dem Fallen Hero:

Iron Man 3 -Teaserplakat 2

 

WORLD WAR Z

Marc Forsters Verfilmung des Kultromans von Max Brooks sorgte bereits am Freitag für eine Überraschung: erstmals wurde bestätigt, dass der lange ins neue Jahr verschobene Film in 3D in den Kino zu sehen sein wird. Bisher hatte der Zombiefilm mit Brad Pitt im Lead vor allem mit der Tatsache der massiven Reshoots von sich reden gemacht. Viel neues gibt es nicht im Spot, was wir nicht schon aus dem ersten Teasertrailer kannten, als ikonisches Bild dürfte die von der Welle zur Mauer schnellenden Zombies in Erinnerung sein. Paramout bringt World War Z zum 27.6.2013 in die deutschen 3D-Kinos.

 

STAR TREK INTO DARKNESS

Und nochmal Paramount Pictures mit konvertiertem 3D: nicht erst nach JarJar J.J. Abrams Bastard-Coup zwischen Star Trek und Star Wars wird der zweite Teil des Star Trek-Reboots kräftig diskutiert. Eine Rückkher der alten Crew ist selbstverständlich, als besonderes Highlight wartet der trendige Sherlock-darsteller Bebedict Cumberbatch als Bösewicht in weiterhin unklarer Ausrichtung namens John Harrison. Aber es wird, wie der Titel schon verrät, ab dem 16. Mai 2013 düster. Damit ist nicht die Bildqualität gemeint, denn beim Dreh kamen IMAX-Kameras zum Einsatz. Visuelle wird das ein ziemliches Schmankerl, und wenn Abrams wirklich so kreativ wie behauptet mit der Stereoskopie umgeht, bin ich – trotz Konvertiertung- zufrieden. Wir haben uns auch neues Material für das ARG/ die Experience „Are you the 1701“ erhofft, bisher konnte ich nichts entdecken- was aber keineswegs bedeutet, dass nichts enthalten ist. Deutlicher Downer: es gibt eine großartige Star Trek Into Darkness-App mit exklusivem Content die Paramount mit Qualcomm designte – doch leider in meinem Land nicht erhältlich. Das Ding dürfte sich runterladen wir geschnitten Brot, es gibt nämlich mit der App Zugriff auf erste Tickets für Star Trek 2…

Hier der Super Bowl-Spot für Star Trek Into Darkness:

 

THE LONE RANGER

Auch wenn ich persönlich keinerlei Bezug zum US-amerikanischen Kulturgut The Lone Ranger habe, hätte ich den Action-Western mit Armie Hammer und Johnny Depp gerne in 3D gesehen. Allein, weil Gore Verbinski Regie führt. Aber TLR ist der einzige Disney-Tentpole, der in 2D in die Kinos kommt. Produzent Jerry Bruckheimer ist nach den doch eher bescheidenen Erfolgen von „Duell der Magier“ und „Prince of Persia“ weiterhin auf der Suche nach der neuen Giganto-Franchise à la Fluch der Karibik, dessen fünfter Teil sich in Preproduction für einen 2015-Start befindet. Deutscher Filmstart für Lone Ranger ist der 8. August 2013. Wüste frei:

 

FAST AND FURIOUS 6

Die High-Concept -Franchise „Macker in schnellen Karren“ geht in die sechste Runde, natürlich zusammen mit Vin Diesel und Dwayne The Rock Johnson. Fast & Furious 6 startet mit 23.5.2013 in den deutschen Kinos (in 2D).

 

SNITCH

Muskelberg The Rock Johnson spendierte man für seinen kommenden Actionthriller Snitch ebenfalls einen Spot beim Super Bowl:

 

21 AND OVER

Ein weiterer Klon aus College-Comedy, Hangover und Project X findet beim Super Bowl sicher Zuschauer:

 

Bild © Super Bowl (1), Concorde Film (2)· Alle Rechte vorbehalten.

Mit Scope-on-Flat wird Fläche zum 3D-Raum: DREDD und OZ sprengen die Verhältnisse

Wie bewirbt man eigentlich einen 3D-Film in 2D-Medien? Daran beißen sich die Agenturen und Verleiher seit Jahren die Zähne aus und zeigen leider wenig Kreativität. Anaglyph-Bilder will keiner mehr sehen, der Zusatz „in 3D“ in fetter Schrift auf dem Filmplakat lässt mitunter Schlimmes erahnen und in die Fresse explodierende Logos im Trailer verursachen schlimmes Augenweh. Manchmal gibt es kleine Lichtblicke, so wie in den aktuellen Trailern von DREDD und DIE FANTASTISCHE WELT VON OZ.

Die ebenso düstere wie gewalttätige Comicverfilmung DREDD mit Karl Urban in der Titelrolle wurde von Regisseur Pete Travis und Kameramann Anthony Dod Mantle („Slumdog Millionär”) in Südafrika in 3D auf der RED One MX gedreht (die Epic war bei Produktionsstart November 2010 noch nicht verfügbar). Im Red Band-Trailer konnte man nun eine Technik sehen, die als Scope-on-Flat bekannt ist. Mit diesem optischen Trick wird anhand der Sehgewohnheiten ein räumlicher Effekt simuliert.

Wie das funktioniert, erkläre ich euch hier: Ihr kennt alle Bilder von halbseitlich dargestellten 3D-Fernsehern, wo ein Objekt aus dem Rahmen hervortritt um den Out-of-Screen- 3D- Effekt zu simulieren. Doch wie lässt man etwas aus einem Trailer auf 2D-Monitoren heraustreten? Diese negative Parallaxe im 3D-Kino mit den PopOut-Effekten wurde bei DREDD durch den Trick Scope-on-Flat simuliert. Das bedeutet, dass Effekte außerhalb der Handlungsfläche des Clips im Scope-Format auf den eigentlich schwarzen Balken (dem Cache) der Flatfläche stattfinden.

Nochmal im Bild: Scope oder Cinemascope ist das breitere Format mit den großen Balken oben und unten. Flat ist etwas schmaler, dafür ist das Bild höher. Die Maße in der schematischen Grafik machen es deutlich:

 

DREDD hat für seinen Trailer diesen zusätzlichen schwarzen Rahmen der Flatfläche sozusagen als Effektebene genutzt. Das Blut der getroffenen Person spritzt in der SlowMo-Szene nicht nur innerhalb der Videofläche, sondern auch aus dem Rahmen heraus in den Bereich des Zuschauers. Ihm kommt also das Blut innerhalb des Raumes der negativen Parallaxe entgegen. Manchmal fällt einem der Effekt auch erst beim wiederholten Sehen auf. Ich hab da mal ein Standbild vorbereitet:

Ob der Flat-on-Scope-Effekt auch im Kino eingesetzt wird oder lediglich eine Trailer-Idee ist, konnte mir noch nicht beantwortet werden. DREDD startet am 15.11.2011 in den deutschen 3D-Kinos, den Trailer könnt ihr euch in voller Länge hier ansehen (die entsprechende Szene gibt es ab Sekunde 44):

Erfunden haben sie diesen Trick nicht, letzte Woche im Cinecast “Die Begegnung der 3D’ten Art” haben wir schon von der Verwendung des Effekts im Jerry Bruckheimer-Film G-Force – Agenten mit Biss gesprochen, der den selben Trick für eine Verbesserung des postkonvertierten 3D-Effektes einsetzte. Da die Objekte für die 3D-Konvertierung eh rotoskopiert freigestellt werden, haben sie in der Postproduktion ein wenig damit gespielt, um Bewegung im Raum zu simulieren. Die Nutzung des Flatcontainers bei eigentlicher Scope-Projektion bedeutet natürlich für den Filmvorführer ein ungewöhnliches Setting. Cinetechgeek hat den Projektionisten die Technik und die Schwierigkeiten des Flat-on-Scope-Effekts in diesem Video ausführlich erklärt.

In Disneys kommender Attraktion DIE FANTASTISCHE WELT VON OZ ist im Trailer ein ähnlicher Effekt der Rahmenüberschreitung wie Scope-on-Flat zu sehen, nur seitlich (sozusagen „PAL-on-Scope“). Das Prequel zum Filmklassiker von Regisseur Sam Raimi erzählt die Vorgeschichte des Zauberers Oscar Diggs und wie er nach Oz gelangte. In der Exposition ist eine Jahrmarktszene in Schwarz/Weiß in einem 1,33:3-Format zu sehen, dem klassischen Seitenverhältnis der Stummfilmzeit (The Wizard of Oz wurde 1939 in Technicolor im angepassten, im Verhältnis leicht höheren „Academy-Standard“ – Seitenverhältnis von 1.37:1 gedreht, da bei den Talkies der 35mm-Film nun auch die Lichtton-Basis enthielt). Ein Feuerspucker durchbricht dieses Format mit seinem Feuerausst0ß.

Etwas später wirft ein Freund dem gerade in einem Heißluftballon gestiegenen Zauberer, gespielt von James Franco, einen Zylinder zu. Der Hut fliegt größer werdend auf uns zu, die Krempe durchbricht die seitliche Fensterbegrenzung, allerdings nicht die Cacheflächen des Flatformats oben und unten. Das Innere des Zylinders wird schließlich zum Schwarzbild.

Der Heißluftballon gerät in einen Wirbelsturm, und wird in der fantastischen Welt von Oz wieder ausgespuckt. In diesem Moment des Erreichens der zauberhaften Welt weitet sich auch im Trailer das Bild auf die gesamte Breite des Scope-Formates auf, zudem morpht es zu einem farbigen Bild mit fantastischer, übersättigter Farbgebung, die Produktionsdesigner Robert Stromberg erschuf (ihr kennt seine Arbeit bereits aus AVATAR – Aufbruch nach Pandora und Alice im Wunderland).

Ein Ausflug in fantastische Welten, Kino als Ort des Eskapismus. Darauf sollte man sich freuen. DIE FANTASTISCHE WELT VON OZ startet am 7. März 2013 in den deutschen 3D-Kinos. Den vollständigen Trailer könnt ihr euch hier ansehen:

An solchen filmischen Experimenten im 3D-Kino haben wir noch nicht allzuviel sehen können. Auch bei der Verwendung des Scope-on-Flat-Effektes geht um eine gesteigerte Immersion durch einen Trick in der Wahrnehmung, oder eigentlich der Kino-Seherfahrung. Letztlich sind auch die erweiterten IMAX-Szenen in „Mission Impossible: Ghost Protocoll“ oder Christopher Nolans „The Dark Knight Rises“, bei denen in verschiedenen Szenen nicht nur das Breitbild-Format gezeigt, sondern der Cache für höhere Bilder im IMAX-Format aufgezogen wird, eine optische Präsentation von etwas Besonderem, um den Zuschauer zu verblüffen und ihn an den Handlungsort zu versetzen.

Gerade in der 3D-Dramaturgie wird zur Findung der Formsprache experimentiert, da ist bisher wenig festgeschrieben. Disney hatte in TRON: Legacy die Anfangssequenz in der realen Welt in 2D gezeigt, erst beim Betreten der Computerwelt wurde das Bild stereoskopisch tief. Die Unterscheidung zwischen den Welten ist sicher deutlich (etwas schade, da sowohl der Sprung vom Firmenhochhaus wie auch die rasante Motorrad-Verfolgungsjagd zu Beginn des Films von den visuellen Möglichkeiten tolles 3D-Potenzial hatten).

Henry Selicks 3D-Stopmotionfilm Coraline aus dem Studio Laika nutzte 3D subtil, um die reale langweilige, graue und eben flache Welt von der fantastischen, bunten und tiefen Fantasiewelt abzugrenzen. In diesem Beispiel zahlt die Verwendung der Z-Achse auf die Story ein, sie belegt die verschiedenen Welten mit unterschiedlichen Dimensionen und schafft so eine besondere Atmosphäre.

Scope-on-Flat ist ein schönes Mittel um im Trailer eine Tiefendimension zu zeigen, ein Effekt der klar sagt: es handelt sich um einen 3D-Film! Aber steckt dahinter nicht auch die Sehnsucht nach einem intensiverem 3D-Kinoerlebnis? Diejenigen, die schon über hundert 3D-Filme (jawoll!) gesehen haben, verlangen nach neuen Impulsen! Ich mag die Tiefen in den Raum sehr, finde es aber spannend, wenn der gesamte Raum vor und hinter der Leinwand genutzt wird. Selbstverständlich im Dienste der Geschichte, aber mal ein Augenzwinkern auf die Zuschauer zufliegen lassen, schadet nicht. Da muss mehr Kreativität in die 3D-Budgets, der Stereographer mehr Mitspracherecht mit dem Kameramann erhalten. Und die Regisseure gemeinsam an der Entwicklung der 3D-Bildsprache arbeiten, denn da scheinen wir tatsächlich noch in den Kinderschuhen zu stecken. Warum kommt da eigentlich keine Explosion von Ideen aus den Filmuniversitäten?

Was denkt ihr- ist Scope-on-Flat ein Gimmick für einzelne Filme oder eine adäquate Bewerbungsmöglichkeit von 3D-Filmen in 2D-Medien? Kennt ihr noch weitere Filmbeispiele mit Scope-on-Flat-Einsatz?

Bilder © Philips (1), DigitaleLeinwand (2), DL mit Material von Universum Film (3), Walt Disney Studios Motion Pictures Germany (4, 5, 6, 7)· Alle Rechte vorbehalten.