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Cinemaxx rüstet auf – 4K und 3D für 5 Mio Euro

cinemaxx-maxximum 3d KopieCinestar und Cineplex haben vorgelegt, nun folgt die Umrüstung der letzten großen Kinokette: Cinemaxx rüstet um. Und vor allem rüstet der Multiplexveteran auf. „Fast 60 Leinwände“ werden mit 4K-Projektion digitalisiert und für den stereoskopischen 3D-Betrieb ausgerüstet. Bei 39 deutschen Cinemaxx-Kinos bedeutet dies sogar die Umrüstung von mehreren Leinwänden pro Kino. Und dabei wird nicht gespart: rund 5 Mio Euro werden in die Zukunft des Kinos investiert.

Da gönt man sich doch gleich noch ein eigenes Logo: „Maxximum 3D – 4K Technology“ listet alle Vorzüge der neuen Technik auf. Und man setzt einen Vorspann vor die Webseite, die doch auch ein wenig an die ersten 3D-Versuche der Gebrüder Lumiere mit dem in einen Bahnhof einfahrenden Zug erinnern. Nur wird man diesmal frontal von einem ICE überrollt. 🙂

4K-Projektoren, die eine Auflösung von Auflösung von 4096 × 2160 Bildpunkten liefern,  sind in Deutschland bisher eher selten vertreten, lediglich das Multiplex Gelsenkirchen betreibt derzeit diese hohe Auflösung. Alle weiteren Kinos sind derzeit mit 2K-Projektoren ausgerüstet. Im Cinemaxx werden 4K CineAlta-Projektoren von Sony eingesetzt. Marktführer RealD liefert die stereoskopische 3D-Technik. Bei 4K-Beamern werden die 3D-Bilder dabei nicht nacheinander, sondern gleichzeitig projiziert. Dies führt zu einer Reduktion der Auflösung auf 2K, was aber der gängigen DCI-Spezifikation entspricht. Auch werden von den Filmverleihern die Filme auch zumeist nur in 2K geliefert. Mehr über die Bildformate in diesem Artikel.

„3-D ist ein Wachstumstreiber“, betont Cinemaxx-Vorstandschef Christian Gisy gegenüber dem Handelsblatt. Es wird mit Mehreinnahmen von 5-6 Euro pro Kinobesuch gerechnet, da neben dem Ticket-Aufschlag auch die 3D-Brille gekauft werden muss. Ob allerdings bei einer flächendeckenden Verbreiteung von Digitalen Leinwänden und 3D-Kinos dieser Aufschlag akzeptiert wird, bleibt abzuwarten. Während z.B. bei UCI oder Cinestar keinerlei Gutscheine oder Rabatte für die 3D-Filme eingelöst werden können, wird Cinemaxx für die 3D-Filme gültige Gutscheine auf den Markt bringen. Der Clou: Für Inhaber einer Jahreskarte entstehen keine weiteren Kosten durch etwaige Aufschläge.

Der Zeitplan ist eindeutig fokussiert: die ersten Kinos werden The Final Destination bereits in digitalem 3D zeigen, etwa 30 Kinos spielen Pixars OBEN ab Mitte September, und bis zum Filmstart von James Camerons AVATAR wird mindestens ein Kino je Standort umgerüstet sein.

DigitaleLeinwand.de wünscht dem Cinemaxx einen hervorragenden Start in das digitale Projektionszeitalter!

Wer hat Superman gestohlen? Zur Geschichte der Raubkopie

Digitales Kino hat viele Vorteile wie gleichbleibend hohe Qualität oder verminderte Kopienkosten. Aber es gibt, je nach Standpunkt, auch Nachteile. Digitale Inhalte können schnell und einfach kopiert, dupliziert oder multipliziert werden. Dies ist die größte Angst der Filmstudios und Verleiher, beklagen sie doch jährlich hunderte Millionen Dollar an Verlusten. Es wundert daher nicht, dass bei der DCI-Spezifikation auch viel Wert auf unterschiedliche Sicherheitslayer gelegt wurde. Darüber gab es schon mal vor einiger Zeit einen Artikel.

Dass für die Filmindustrie Raubkopierer kein Problem des digitalen Zeitalters sind, zeigt diese Dokumentation aus dem Jahr 1079. Mit dem Siegeszug von VHS hatten sich Piraten äußerst lukrative Einnahmequellen gesichert, bis zu 1000 $ war für eine schlecht kopierte Fassung fällig. Würdet ihr, inflationsbereinigt, 3.300 $ für ein schlechtes Raub-DVD-Master oder rund 1.000 $ für eine Home-DVD ausgeben? Offensichtlich nicht, sonst hätten die Torrent-Portale nicht so einen starken Zulauf. Und dabei lagen die Kinoeintrittspreise damals bei etwa 3$…
Hier könnt ihr euch eine 60-minütige Dokumentation über die Generation der VHS-Raubkopierer ansehen. Mit Dank an Gizmodo für den Tipp!

http://www.youtube.com/watch?v=GZtfEDyTXiU http://www.youtube.com/watch?v=Uc8_dlrLUkY

neues voll digitales Kino in Nastätten

Wie Heise berichtet, hat das Kino-Center in Nastätten seinen vollständig digitalen Betrieb aufgenommen. Es ist zwar nicht wie beschrieben das erste volldigitale Kino, da es schon kleinere Kinos mit rein digitaler Projektion gibt (z.B. die Astor-Filmlounge in Berlin), aber das gesamte Kino-Center mit seinen drei Sälen Royal, Roxy und Cherie wird nun digital bespielt. Das neue Zeitalter wurde zum Start des Horrorfilms My Bloody Valentine 3D eingeläutet. Und das Programm glänzt mit einer kompletten 3D-Reihe, auch Reise zum Mittelpunkt der Erde, Bolt, Monsters vs. Aliens und Oceans Wonderland 3D stehen auf dem Spielplan.

voll digitales Kino-Center in Nastätten

voll digitales Kino-Center in Nastätten

Kinobetreiber Ralf Holl hat seine Vorführräume mit 1600C-DLP-Projektoren von NEC ausgestattet, die natürlich DCI-konform sind. Die 4-KW-Lampen erzeugen einen Lichtstrom von bis zu 17.000 Lumen, die Auflösung liefert 2K, was für die vorhandene Leinwandgröße von knapp 50 qm absolut ausreichend ist. Die Filme werden von DoReMi-Kinoservern mit jeweils 1,9 Terabyte Plattenkapazität abgespielt. Für die stereoskopischen Vorstellungen kommt das XPAND 3D- System zum Einsatz.

Nun ist das Kino-Center kein Metropolen-Multiplex, sondern liegt in einer Kleinstadt mit 4000 Einwohnern. Aber gerade für diese Kinos, die als örtlicher Kinoalleinversorger oft einen Mix des aktuellen Filmprogramms spielen, ist die Umstellung auf digitale Inhalte einfach- und vor allem sinnvoll. Alle großen Verleiher liefern das aktuelle Programm auch als digitale Fassung aus. Im Gegensatz zu den analogen Kopien, die aufgrund der Kosten von 800-1000€ vom Verleiher nach einem Rollout-Plan distribuiert wurden. Gerade kleine Kinos hatten hier oft das Nachsehen, wollten die Verleiher doch lieber in großen Kinos größerer Städte spielen, um den erforderlichen Umsatz zu generieren. Die kleinen Kinos haben mitunter erst nach Monaten eine Kopie erhalten, was sicherlich nicht besucherfördernd war. Nun sind die Festplatten der digitalen Version schon zum Filmstart erhältlich, können auf den Server übertragen und zurückgeschickt werden. Auch entgeht das Kino späteren Engpässen: sollte ein deutschlandweiter Rollout verabschiedet werden, kann es nicht nur zu Engpässen bei Servern, Projektoren und anschließenden Technikern kommen. Wenn ein Großteil der deutschen Kino digitalisiert ist, werden analoge Filmkopien aufgrund sinkender Mengen teurer. Was die Verleiher sicherlich nicht motiviert mehr davon zu produzieren. Und ob die wenigen Filmrollen dann in Kleinstadt-Kinos geschickt werden, dürfte fraglich sein.

Das Kino-Center in Nastätten steigt also in einer frühen Phase in das digitale Kinogeschäft ein, viele Kinobetreiber warten noch ab, bis eine Finanzierung geklärt ist. In Nastätten kann man sich hingegen schon über digitales Kino und stereoskopische Filme freuen. Und auch über einen neuen Geschäftszweig- die Werbung ist nun ebenfalls digital. Das ermöglicht einen Umstieg der regionalen Werbung von Dias auf animierte Bilder oder auch Filme- analog bisher aufgrund der Produktionskosten für viele regionale Werber eher undenkbar.

Wer im Taunus wohnt, sollte am Pfingstwochenende mal zu den „Vormittagen der offenen Tür“ vorbeischauen. Ralf Holl und sein Team gewähren Einblicke hinter die Kulissen und in die Vorführräume. Natürlich werden auch die neuen digitalen Errungenschaften präsentiert und kostenlose Trailershows in 2D und 3D vorgeführt. Ich bin mir sicher, dem Publikum gefällt’s. Genaue Informationen gibt es auf der Webseite.

Digitale Leinwand sendet die besten Glückwünsche zum digitalen Neustart nach Nastätten!

Amerikaner rüsten auf -11.000 digitale Sony 4K-Projektoren

Während Deutschland noch grundsätzlich über eine Digitalisierung seiner Kinos nachdenkt, hat in den USA das Wettrüsten begonnen. Die Kinokette AMC hatte vor einiger Zeit einen 315 Mio. Dollar-Deal zur Digitalisierung von 309 Kinos mit insgesamt 4628 Leinwänden mit digitalen Sony 4K-Projektoren bekanntgegeben. Nun hat Sony auch mit Regal Entertainment einen Deal zur Ausstattung von mindestens 5000 der 6700 Leinwände in ihren 550 Kinos unterzeichnet. Die Umstellung soll in den nächsten drei bis fünf Jahren erfolgen. Sony hat damit über 11.000 digitale 4K-Projektoren in den USA platziert.
Damit wird nicht nur die Umstellung von analogem auf digitales Filmmaterial beschleunigt, wir werden auch in den nächsten Jahren mehr 3D-Inhalte erwarten können. Kein Wunder, gerade die Erfahrung aus den IMAX-Experience-Vorstellungen zeigt, dass Kinobesucher für einen hochwertigen, immersiven Kinogenuss einen saftigen Aufpreis von bis zu 5€ pro Ticket bezahlen.

Die DCI-Spezifikation für den deutschen Rollout sieht übrigens 2K-Projektoren vor. Von 2K zu 4K ist doch nur doppelt so groß? Irrtum, es bezeichnet nur die Anzahl der Pixel in der Seitenlänge. Wir reden dabei von der vierfachen Fläche, Größenvergleiche der Formate gibt es unter diesem Link. Im Vergleich ist halt 4K der Maßstab für „Großes Kino“.

Schutz vor Raubkopien

Der Vorteil digitaler Medien besteht in der Möglichkeit in der verlustfreien digitalen Kopie und der globalen Distribution. Vor dem Hintergrund der Filmpiraterie müssen Vorkehrungen getroffen werden, um Filme sicher zu übertragen und geschützt vorzuführen. Die genaue Summe des entstehenden Schadens durch illegale Verbreitung durch Raubkopien und Downloads kann nicht seriös beziffert werden, sondern beruht auf Schätzungen, die bei mehreren hundert Millionen Euro pro Jahr liegen. Die Angst vor Raubkopien ist in der Branche daher sehr groß.

Für den DCI-konformen Standard ist zum Schutz eine Verschlüsselung der Inhalte mit Digital Rights Management-System (DRM) vorgesehen. Für die spätere Freischaltung des Films wird im Playout- oder Trustcenter eine Key Delivery Message (KDM) erzeugt. Diese enthält einen Code, den AES-Schlüssel, mit dem sich ein Film auf einem bestimmten dedizierten Projektor abspielen lässt. Dieser KDM ist jeweils nur für eine Gerätekombination gültig. Enthalten sind auch Informationen zur Steuerung. So wird beispielsweise das Zeitfenster für die Aufführungsrechte mit eingebettet. Für jede Filmfassung, z.B. unterschiedliche Sprachversionen, wird eine separate KDM-Datei benötigt. Diese lassen sich aufgrund der geringen Datenmenge einfach per Emails versenden oder werden per USB-Stick postalisch verschickt.

Der Film selbst wird separat vom KDM in einer verschlüsselten Form mit dem Distribution Digital Cinema Package (DCP) versendet. Der Kinobetreiber spielt dann die Filmdatei auf seinen Kinoserver. Alternativ können Übertragungen per Datenleitung erfolgen. Auf dem Server wird der Content nun mit dem KDM zusammen im Secure Media Block (SMB) freigeschaltet, dabei wird geprüft, ob die verschlüsselte Version mit dem KDM zur codierten Anlage passt. Im SMB wird auch ein individuelles Wasserzeichen erzeugt, dass bei jeder Aufführung ausgestrahlt wird.

Die einzelnen Elemente können nicht für illegale Zwecke eingesetzt werden. Sollte ein Raubkopierer eine Festplatte zugespielt bekommen, sind die Daten für ihn nutzlos, da sie weder kopier- noch abspielbar sind. Auch zusammen mit dem KDM ist dies nicht möglich. Der Film wird erst auf der zugeordneten dedizierten Server- und Projektionsarchitektur abspielbar. Somit ist der Übertragungsweg ausreichend gegen mehrere Fälle abgesichert. Das Abfilmen der Inhalte hat aufgrund preiswerter Consumerkameras eine breite Verwendung gefunden, und kann nicht vollständig unterbunden werden. Allerdings werden sowohl in Ton, wie auch in Bild feine forensische Markierungen eingebettet, die eine bessere Rückverfolgung der abgefilmten Raubkopien ermöglichen. Der Inhalt der forensischen Markierung sind u.a. die Servernummer, Datum und Zeitpunkt der Ausspielung. Mit einer speziellen Technik können diese Markierungen sichtbar gemacht werden, für den Zuschauer sind sie unsichtbar und unhörbar. So können bei der Verbreitung der Raubkopien die Orte des Abfilmens ermittelt und zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen vor Ort ergriffen werden.

Durch die Digitalisierung des Abspiels sind neue technische Schutzmaßnahmen erforderlich geworden. Diese waren in der analogen Wertschöpfungskette nicht enthalten, sondern sind neu entstanden. IT- und Technologiefirmen haben die Möglichkeit sich hier zu etablieren und Geschäftsfelder zu erschließen.

D-Cinema oder E-Cinema

Digitales Kino lässt sich in die zwei Bereiche unterteilen: in das Digital Cinema, abgekürzt D-Cinema, und Electronic Cinema, kurz E-Cinema.

Unter Digital Cinema wird die Vorführung von Kinofilmen in digitaler besserer Qualität gegenüber dem bewährten analogen 35 mm-Film verstanden. Die Inhalte der Filme sind zwar mit den vorherigen vergleichbar, es wird jedoch ein Technologiewechsel angestrebt. Wenn von der Digitalisierung des Kinos die Rede ist, wird darunter D-Cinema verstanden. Auflösungsgrößen von 1,3K sind überholt, mittlerweile ist 2K der Standard, 4K und sogar 8K-Projektoren sind in der Entwicklung (zu den Formaten siehe auch diesen Artikel). Derzeit werden die meisten digital ausgelieferten Filme in einer 2K-Auflösung distribuiert.
Im April 2002 wurde von den sieben amerikanischen Filmmajors, zu denen 20 Century Fox, MGM, Paramount, Sony, Buena Vista und Warner Bros. gehören, das Konsortium NewCo gegründet. Dieses wurde schließlich in die Bezeichnung Digital Cinema Initiative (DCI) umbenannt. Das Konsortium hat Grundsätze zur Standardisierung entwickelt und beschlossen. Der DCI-Standard gilt auch als Grundlage für die Digitalisierung in Deutschland.

Electronic Cinema umfasst die digitale Projektion mit einem handelsüblichen Beamer. Aufgrund geringerer Qualitätsansprüche und mit dem verstärkten Aufkommen von Consumer-Beamern ist eine erste Welle der Verbreitung erreicht. Neben Filmen werden auch alternative Inhalte wie Opernaufführungen, Konzerte oder Sportveranstaltungen ins Kino oder öffentliche Veranstaltungsorte gebracht. Die Inhalte werden über digitale Datenträger wie DVD, BluRay oder Festplatten, als auch über Satelliten- oder Breitbandverbindungen distribuiert. Die meisten alternativen Nutzungsangebote beziehen sich bisher auf das E-Cinema.