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Dicke Löwenbeine, Pipelines und Gewinner – zwei Tage beim Animago

Der Teppich ist rot, der Saal voll und auf der Leinwand erscheint ein Timecode. Fünf Minuten. Sekundenschnell rast die Zeit herunter. 00:00:00:00. Das Warten endet. Eine Frau mit grauem Kostüm und blondem Pferdeschwanz betritt die Bühne. Sie scheint nervös, sehr bemüht, ist dabei doch sympathisch. Begrüßung der Anwesenden – das Who’s who der Digitalen Schaffenswelt. Es ist Donnerstagabend und das Konferenzhighlight. Es ist die Preisverleihung des Animago Awards im fx.Center Potsdam-Babelsberg.

Bereits zum 15. Mal findet der zweitägige Animago mit Award & Conference statt, in diesem Jahr zum 3. Mal in Potsdam-Babelsberg. Elmar Giglinger ist Medienboard-Geschäftsführer, Förderer der Veranstaltung und spricht beim Standort Berlin-Brandenburg von einer „Win-win-Situation für alle Beteiligten“. Große Beteiligung genoss der Animago Award schon im Vorhinein: insgesamt 850 Einsendungen wurden gezählt, in der dreistündigen Verleihung werden in elf Kategorien auserwählte Teilnehmer zu Gewinnern. Zum Godzilla-Soundtrack „Come with me“ werden sie auf die Bühne kommen, springen und humpeln. Wir reisen durch atemberaubende Welten, unterschiedlich in Stil und Farbe, erhaschen Blicke auf lebendige Charaktere, deren Geschichten uns in den Bann ziehen. Spätestens jetzt packt das 3D-Fieber auch all diejenigen, die den Tag nicht auf dem verlockenden Trade floor und mit spannenden Vorträgen verbracht haben.

Inspiration durch Mensch und Technik. IPad, Wacomstift, fünf Minuten, ein Auto. Beim Live Sketch Battle in der DOSCH Lounge kann Tom „der Holzfäller“ Kaschub, Spieleentwicklicker an der Games Academy und Karohemdträger, am Freitagmittag die Zuschauenden mit seinem in blau gezeichneten Porsche überzeugen. Tom erntet den meisten Applaus, gewinnt somit ein IPad2 und darf sich ein Buch vom Beistelltisch nehmen. Schnell greift er zu „Kribbeln im Kopf“- dem Expertenbuch für Denkstrategien und Kreativtechniken.

Ein kreativer Kopf ist auch Mate Steinforth. Sehr erheiternd gibt der Creative Director von Sehsucht (http://www.sehsucht.de/) spannende Einblicke in den Workflow, die „Pipeline“ seiner Produktionen. Styleframes, Previz, Pitch, Drehen in L.A. Sein Vortrag besticht durch Witz und Gestaltung, der Inhalt ist weniger technisch als bei anderen Sprechern. Ein guter Gestalter sei Herr über Technik und Werkzeug, diesen nicht unterlegen. Die ewige Mac-PC-Diskussion ist für Steinforth, Gestalter mit Herzblut, überflüssig.

 

Dass Wasser flüssiger ist als Blut, ist bekannt. Dass eine authentische Animation des Elements die absolute Königsdisziplin sei, höre ich nicht nur von Mohsen Mousavi, VFX Supervisor bei Pixomondo Images. Bescheiden leitet ein anderer Sprecher seinen Vortrag ein und will kurz zeigen, was er und seine Firma so machen. Eine unvergleichliche Bilderwelle folgt, die wie ein Best of der Kinofilme scheint, welche derzeit mit fotorealistischen Animationen und Effekten sondergleichen hervorstechen: „The Green Hornet“, „Captain America“, „X-Men“. Animierte Fantasien und ganz großes Kino. Der Mann ist Alessandro Cioffi, er ist VFX Supervisor von Trixter und Cioffi weiß, wovon er plaudert. Er öffnet das digitale Nähkästchen und verrät, welche arbeitsintensiven Folgen die Kontaktlinsenaversion einer Hollywoodschauspielerin haben kann. „Augen zeigen Microbewegungen, die man normal nie beachtet. Aber selbst ein Drittel eines Pixels kann den gesamten Gesichtsausdruck verändern.“

Mit uns bekannten Gesichtern kennt sich auch Benedikt Niemann aus. Als Animation Supervisor bei Ambient Entertainment ist er Characterdesigner für Spiel- und Studio-3D Filme und mitverantwortlich für die Geburtsstunde deutscher CGI Produktionen („Back to Gaya“, „Urmel“, „Konferenz der Tiere“). Niemann animiert nicht nur digital, er unterhält heute den gesamten Saal. Neben seinen Erfahrungen mit Kunden, die Filme mit „richtig Wumms“ und am nächsten Tag viel dickere Tierbeine als vorher haben wollen, gibt er unterhaltend technische Tipps zu passiven Nebencharakteren und fester Horizont-Parallaxe.

Licht ist auch am Ende des Horizonts, nicht nur für Zuhörer, Zuschauer und Gewinner der diesjährigen Konferenz. Wir hören auf P. Diddy und sein „Come with me“. Denn wiederkommen, das werden wir, zum nächsten Animago mit Award & Conference, 2012 in Potsdam-Babelsberg.

 

Text & Bild: Isabel Latza

animago AWARD 2011 – Die Nominierten stehen fest

Die Nominierten zum animago AWARD 2011 stehen fest! In elf Kategorien werden am Donnerstag, den 27. Oktober, in einem Festakt in Babelsberg die animago AWARDs 2011 im Rahmen der animago CONFERENCE (27.-28.10.2011) verliehen. Der animago AWARD ist ein international renommierter Wettbewerb für 3D, Visual Effects (VFX) & Interactive und wird in diesem Jahr zum 15. Mal vom Fachmagazin DIGITAL PRODUCTION verliehen. Eine Fachjury wählte aus rund 900 internationalen Einsendungen fünf Beiträge pro Kategorie aus.

„Die Beiträge aus insgesamt 62 Ländern unterstreichen die Internationalität des animago AWARD“, so Jana Freund, Projektverantwortliche der animago AWARD & CONFERENCE. „In diesem Jahr waren erstmals die Länder Süd-Korea, Chile, Laos, Libanon, Taiwan oder Zypern dabei. Wir drücken allen Nominierten die Daumen!“

Und ich freu mich natürlich, dass unter den Nominierten auch ein paar gute Bekannte gelandet sind, wie der Vorspann von „Topper gibt nicht auf!“ von der HFF, „Flamingo Pride“, der nicht nur mit 3D-Bild, sondern auch mit 3D-Ton aufwartet (aktuell auf der IFA zu erleben), oder die MovieBrats mit ihrem Animations-Spot KUBUS, den ihr euch hier ansehen könnt:

Die Kategorien und Nominierten im Einzelnen sind:

Beste Postproduktion:

  • GRISELLA, Pixable Studios (Deutschland)
  • Assassin’s Creed: Revelations, Digic Pictures (Ungarn)
  • Paths of Hate, Platige Image (Polen)
  • Dragon Age 2, Digic Pictures (Ungarn)
  • Dead Island Trailer, Axis Animation (Großbritannien)

Beste Werbeproduktion:

  • Work It Out Studio self-promotion short film, Work It Out Studio, Franco Tsang, Lik Wong (China)
  • Winkels EUROSHOP 2011, blueBOX Medienagentur (Deutschland)
  • Batelco INFINITY, unexpected (Deutschland)
  • SUBARU „The Car Parts“ , INFECTED Postproduction (Deutschland)
  • Nissan X-TRAIL, unexpected (Deutschland)

Beste Visualisierung:

  • Standing Up For Freedom, Eallin Motion Art (Tschechische Republik)
  • Bacon, Anyone?, Florian Köhne, Hannes Hoepfner (Deutschland)
  • Santiago Calatrava | Lyon Satolas Station, lichtecht, Thomas Pisz (Deutschland)
  • Frauscher Sensortechnik – Future Signalling, 3D Picture Works (Österreich)
  • Cell-to-Cell Communication – Osseointegration, interActive Systems (Deutschland)

Bestes Still:

  • recomCGI – Porsche Black Edition, recomCGI (Deutschland)
  • DDR Klassenzimmer, Visualimpression, Stefan Haberkorn (Deutschland)
  • WC, Juan Siquier (Spanien)
  • Deserted village, Evermotion, Ralph Waniek (Polen)
  • moTUBAik, Cohan Weggs (Deutschland)

Bester Kurzfilm (Filme bis max. 25 min):

  • Wallflower Tango, Wolfram Kampffmeyer (Deutschland)
  • Flamingo Pride, Tomer Eshed (Deutschland)
  • Der Besuch, Conrad Tambour (Deutschland)
  • Cookies and Scream, Anthony Carter, Ejiwa Ebenebe, Jonathan Sothern, Tiana McKenzie (Neuseeland)
  • Metachaos, Alessandro Bavari, Fulvio Sturniolo, Jeff Ensign (Italien)

Bestes Character Design:

  • Die Kiste, Kyra Buschor, Linus Stetter, Maximilian Müller, Alexander Dietrich, Patxi Aguirre, Ogi Schneider (Deutschland)
  • Nuts & Robbers, ToonBox Entertainment (Kanada)
  • MYTHO LOGIQUE, Jessica Ambron, Amandine Aramini, Alexandre Belbari, Guillaume Poitel, Yannick Vincent (Frankreich)
  • DAISY CUTTER, Enrique García, Rubén Salazar (Spanien)
  • MORTYS, Nicolas Villeneuve, Aurélien Ronceray-Peslin, Gaelle Lebegue, Mathieu Vidal (Frankreich)

Beste Nachwuchsproduktion:
(mit einem Preisgeld der DIGITAL PRODUCTION von 3000 Euro dotiert)

  • Road’s End, Brianne Meyer (Vereinigte Staaten)
  • Chump And Clump, Stephan Sacher, Michael Herm (Deutschland)
  • Rotting Hill, Raka Sarkar, Son Ly, Jennifer Sol, Kazuko Nishitani, Michael Hao-Yun Hsieh, Stephen Vaifo’ou, Thomas Martin (Neuseeland)
  • Parig, Mehdi Alavi, Loic Bramoulle, Alex Digoix, Geoffrey Lerus, Alexandre Wolfromm (Frankreich)
  • Zing, Kyra Buschor, Cynthia Collins, Philipp Wolf, Clemens Sielaff, Nami Strack, Maryna Aksenov, Fabian Rühle (Deutschland)

Beste Stereo-3D-Produktion:

  • Luigis‘ Pizzaride 3D, Florian Werzinski (Deutschland)
  • Robin Hood, Red Star 3D (Großbritannien)
  • Sea Rex – Journey to a Prehistoric World, N3D LAND Productions (Frankreich)
  • Sleigh Ride, Red Star 3D (Großbritannien)
  • „Topper gibt nicht auf“ 3D-Intro, VCC Berlin, HFF Konrad Wolf (Deutschland)

Beste interaktive Produktion:

  • Mercedes-Benz 360° Fahrerlebnis, Mackevision Medien Design (Deutschland)
  • MRI Materialbibliothek, Kommerz (Österreich)
  • Panorama of Visions, q~bus Mediatektur, ~sedna (Deutschland)
  • BMW 6er Cabrio Webspecial, Effekt-Etage (Deutschland)
  • ~sedna touch Touch Image, ~sedna (Deutschland)

Bestes Game-Design:

  • Crysis 2, Electronic Arts (Deutschland)
  • L.A. Noire, Rockstar Games (Deutschland)
  • Neodrome, Marvin Augenstein, Tom Kaschub, Tilmann Milde, Oliver Schümann, Maximilian Kober, Christian Angele, Till von Ahnen (Deutschland)
  • Rope!, the vicious chocolate studio group (Österreich)
  • Tron: Evolution, Disney Interactive Studios (Deutschland)

Sonderpreis der Jury:
(Einreichungen, die der Jury aufgrund der gelungenen Idee sowie einer besonders herausragender Kombination aus Bildsprache und technische Realisierungen aufgefallen sind.)

  • Chernokids, Matthieu Bernadat, Nils Boussuge, Florence Ciuccoli, Clement Deltour, Marion Petegnief (Frankreich)
  • Kubus, MovieBrats (Deutschland)
  • DROPLETS, Simon Fiedler (Deutschland)
  • Meet buck, Denis Bouyer, Yann de Preval, Vincent E Sousa, Bruno Ortolland (Frankreich)
  • Defective Detective, Avner Geller, Stevie Lewis (Vereinigte Staaten)

Die Jury unter dem Vorsitz von Günter Hagedorn (animago-Team) bestand aus Marga Böhle (Filmjournalistin und Mitherausgeberin von “Treffpunkt Kino”), Dipl. Des. Christian Braun (Manager Visualization, Porsche), Sabine Hatzfeld (DIGITAL PRODUCTION und leitende Redakteurin für die animago AWARD & CONFERENCE), Rangeen Katharina Horami (Förderreferentin, Medienboard Berlin-Brandenburg), Andreas Höss (Head of Graphics, Red Bull Media House), Mariette Rissenbeek (Geschäftsführerin, German Films Service + Marketing), Prof. Eckhard Rocholl (Geschäftsführer, GbR Rocholl Architecture & Conceptual Design), Julian Scholl (Geschäftsführer, Zum goldenen Hirschen Berlin GmbH), Sabrina Wanie (Geschäftsführerin, Animationsstudio DIGITRICK in Potsdam/Babelsberg und Dozentin an der Games Academy Berlin), Nhat Quang Tran (Visual Effects Supervisor, nhb studios berlin).

Die Preisverleihung im Rahmen der zweitägigen animago AWARD & CONFERENCE wird vom Medienboard Berlin-Brandenburg gefördert und von den Sponsorpartnern Maxon, Autodesk,
Mackevision, eyeon, Wacom, PI-VR, Avid, PNY, Dosch Design, mStore, Breitbild VFX, CADnetwork, Infitec sowie mStore unterstützt.

Der animago AWARD zeichnet seit 1997 die besten Produktionen im Bereich Digital Content Creation (DCC) aus. Die eindrucksvolle Leistungsschau dokumentiert, was Kreative auf dem aktuellen Stand der Technik leisten. Filme wie „Avatar“, virtuelle Welten wie „Second Life“, Games wie „Red Dead Redemption“ sowie nahezu alle Werbespots wären ohne Animationen nicht möglich. Der Wettbewerb wird jährlich von der DIGITAL PRODUCTION , dem führenden Fachmagazin für Visualisierung und digitale Medienpostproduktion im deutschsprachigen Raum, veranstaltet. Seit 2009 fördert das Medienboard Berlin-Brandenburg animago AWARD & CONFERENCE, die dieses Jahr am 27. und 28. Oktober im fx.Center Potsdam-Babelsberg stattfindet. Herausgeber von DIGITAL PRODUCTION ist die ATEC Business Information GmbH, ein Verbundunternehmen der European Professional Publishing Group.