Global Illumination, 3D-Sound, Storytelling und aggressives Tentpoling in der CGI-Branche – Interview mit MONSTER UNI-Regisseur Dan Scanlon und Produzentin Kori Rae (Teil 2)

Zum Start von Pixars vierzehntem Animations-Spielfilm DIE MONSTER UNI bekam ich die Gelegenheit zu einem exklusiven Interview mit Regisseur Dan Scanlon und Produzentin Kori Rae. Im ersten Teil des Interviews konntet ihr über ihre eigenen Erlebnisse am College, den Einsatz von 3D als Storytelling-Tool, die Auswahl der Synchronsprecher und die komplexeste Szene des Films lesen. Heute geht es um die technische Innovation der Global Illumination, über die Dolby Atmos 3D-Soundmischung des Films, Storytelling und Pixars Pläne zur Weiterführung der Geschichten und TV-Serien lesen.  Außerdem sprechen wir über die aggressive Startplanung innerhalb der CGI-Branche.

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Regisseur Dan Scanlon (Mitte) in einem schnellen Meeting mit Script Supervisor Amanda Jones (links) und Produzentin Kori Rae (rechts im Bild)

Mit MONSTERS UNIVERSITY hat sich Pixar Animation erstmals an das neue Beleuchtungskonzept der Globalen Illumination gewagt, was sind die Vorteile dieser Technik?

DAN SCANLON: Wir haben das geliebt!

KORI RAE:  J.C. Closh und Bill Reed kamen zu Beginn der Produktion zu uns und wollten das Global Illumination –Konzept umsetzen. Das sollte ein nächster Schritt in der Technologie des Beleuchtens werden. Sie haben mit Christoph und Andre ein kleines Team zusammengestellt und haben daran für einige Jahre gearbeitet. Das war wirklich ganz hervorragend und führt zu einer tollen Visualität im ganzen Film. Die Technik ist echt cool, man kann damit viel in wenig Zeit erreichen, das Verfahren ist unglaublich effizient. Diese Technik ermöglicht natürliches Licht mit nur zwei oder drei Lichtquellen nachzuahmen. Vorher mussten wir für das gewünschte Ergebnis mitunter mehrere hundert Lichter platzieren. Und auch von der kreativen Seite wird mit Global Illumination etwas mehr möglich als zuvor.

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Eine beeindruckende Lichtsetzung trägt zur Atmosphäre der Szene bei- hier setzt sich Dean Hardscrabble in Szene

Der Look ist hervorragend, er fügt sich in seiner Visualität an Monsters Inc. ein, ohne einen großen Bruch darzustellen. Wie wir in der Szene der Menschenwelt und auch im Vorfilm THE BLUE UMBRELLA gesehen haben, wäre durchaus ein noch photorealistischeres  Bild möglich. Haben Sie die Möglichkeiten der Global Illumination bewusst etwas zurück gehalten?

KORI RAE: Exakt, wir haben das genutzt, was wir brauchten. In jedem Film setzen wir es etwas anders ein. Das ist die Schönheit des Software-Tools. Und es verfügt über umfangreiche Kapazitäten für kommende Filme.

CGI-Filme werden immer realistischer im Look und in den Simulationen, in der Monster Uni gibt es beispielsweise wunderbare Fußabdrücke im Gras oder sehr luftiges schönes Fell. Das wird so natürlich,  dass vielen Zuschauern gar nicht mehr auffällt, wie viel Arbeit darin steckt. Ist das nicht ein wenig frustrierend?

KORI RAE: [lacht]

DAN SCANLON: Absolut. Aber so ist das eben. Wir wollen nicht, dass die Zuschauer während des Films auf das Gras zeigen und darüber staunen. So schmerzhaft das auch für diejenigen ist, die sehr hart daran gearbeitet haben. Die größte Ehre ist, dass es niemanden auffällt, dass daran so hart gearbeitet wurde. Intensiver als die meisten sich das vorstellen können.

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Auch wenn Elemente cartoony sind, werden Landschaften durch Simulationen, aufwändige Texturen und Beleuchtung zunehmend fotorealer

Es wurde auch eine Dolby Atmos-3D-Sound-Variante von der Monster Universität gemischt, ist das ein weiterer Schritt in die Immersion?

KORI RAE: Das war cool! Wir hatten eine tolle Lernerfahrung damit.

DAN SCANLON: Dolby Atmos 3D-Sound ist wirklich großartig. Das war eine echte Entdeckungsreise in den Skywalker Tonstudios. Die Monster Uni ist einer der ersten Filme, der in Atmos gemischt wurde. Auch hier kam es uns auf die richtige Ausgewogenheit an. Wir wollten den 3D-Sound nicht so vordergründig gestalten, dass sich das Publikum umdreht. Mir gefällt daran, dass es einen weiter in die Welt hineinführt. Ein besonderer Trick: dadurch dass der Umgebungssound um einen herum und auch über den Köpfen ist, denkt man nicht mehr über den Sound nach, er ist gegenwärtig. Dadurch wird mehr Raum zum Nachdenken über die Geschichte gelassen.

KORI RAE:  Stimmt.

Aber ein umgebender Sound könnte auch bedrohlich sein, man ist in der Welt gefangen, es gibt kein Entkommen mehr, keinen sicheren Raum.

[Beide lachen.] DAN SCANLON: Genau! Großartig, oder?

Möglicherweise ist das dargestellte Uni-System nicht in allen Ländern geläufig. Wird es in zukünftigen Filmen Anpassungen an nationale Märkte geben, beispielsweise ist China ein extrem aufsteigender Markt?

KORI RAE: Ich denke nicht. Bei er MONSTER UNI war uns klar, dass wir einen US-Uni-Film machen. Aber wir haben viel daran gesetzt, das sich die Geschichte auch transportiert, wenn man die Eigenarten der Bruderschaften und Studentenverbindungen nicht kennt. Eigentlich sind die Bruderschaften nur Teams. Wir haben versucht dies so klar wie möglich zu erzählen. Man muss auch nicht das griechische System der Benennung verstehen, um der Geschichte folgen zu können. Die Teams sind stellvertretend für unterschiedliche Typen von Personen, also Monstern. Wir haben intensiv daran gearbeitet, dass dies universal funktioniert.  Von daher brauchen wir sicher keine landestypischen Lokalisierungen, wir bleiben breit und allgemeingültig nachvollziehbar, damit es jeder versteht. Auch wenn die Geschichte auf einem Unicampus spielt, ist es eine Coming of Age-Story über Selbstentdeckung, die Uni ist das Setting und die Kulisse dafür .

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Manche Gepflogenheiten aus der Uni-Zeit haben wohl eine globale Gültigkeit

Derzeit kann man sehr aggressives Tentpoling in der CGI-Branche feststellen. Filme von Pixar und Disney Animation wurden bis 2018 mit einem Termin belegt, Fox als Verleih hat nachgelegt und mit Animationsfilmen der Studios Blue Sky, Fox Animation und DreamWorks Animation ebenfalls bis 2018 bis zu 5 Termine pro Jahr geblockt, dazu kommen weitere internationale Produktionen unterschiedlicher Studios. Sind 15 CGI-Animationsfilme pro Jahr nicht zu viel für das Publikum? Sollte man sich nicht eher auf qualitativ hochwertige originäre Geschichten anstatt auf Sequels oder Spin-Offs fokussieren?

DAN SCANLON: Für uns ist das prima. Wir können mehr Geschichten mit unseren faszinierenden Charakteren erzählen. Wir produzieren bei Pixar die gleiche Anzahl von originären Filmen mit neuen Stoffen und haben den Luxus weitere Filme mit den tollen bekannten Figuren in die Kinos zu bringen. Auch wenn wir mehr Filme machen, bekommt jeder Film die gleiche Zeit zur Entwicklung. Das ist der Schlüssel. Wir haben die tollen Geschichten, ansonsten würden wir kein Sequel machen. Es muss definitiv etwas sein, das wir zeigen wollen. Und wir müssen die Zeit haben dies zu produzieren. Stories brauchen sehr viel Zeit, sie dauern eigentlich ewig. Glücklicherweise gesteht man uns bei Pixar weiterhin die selbe Zeit zur Entwicklung der Geschichte zu. Und das brauchen wir auch, um einen guten Film entstehen zulassen. Solange sich das nicht ändert, ist es doch toll zusätzliche Optionen zu haben.

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Im Kampf um die Gunst der Zuschauer gibt es mittlerweile diverse Teams im CGI-Animation-Bereich

Aber es gibt ein Risiko, wie im letzten Jahre RISE OF THE GUARDIANS von DreamWorKs Animation zeigte, der nicht so gut an der Kinokasse funktionierte und die fehlenden Einnahmen letztlich zur Freisetzung von Mitarbeiten führte. Liegt nicht ein sehr hoher Druck auf ihren Schultern, man muss sich auf die Geschichte konzentrieren, die Technik im Griff haben, neue Tools entwickeln und den Markt im Auge haben. Und jeder Film muss ein Erfolg werden.

KORI RAE: Das stimmt natürlich. Wir versuchen uns nicht von der Arbeit anderer Studios ablenken zu lassen. Wir machen das jetzt schon eine lange Zeit, Pixar war eine der ersten Firmen auf dem Gebiet der CGI-Animation. Wir versuchen uns auf unsere Arbeit und unser Storytelling zu konzentrieren und nicht so sehr über die Welt da Draußen nachzudenken. Vor allem, wenn man an einem Film arbeitet. Wir wissen aktuell nicht mal, welche Filme in den nächsten Monaten im Kino erscheinen, wir versuchen dem keine Aufmerksamkeit zu schenken. Animationsfilme sind zu einem großen Markt gewachsen und viele Firmen arbeiten im selben Bereich wie wir. Wir versuchen uns zu konzentrieren und gute Geschichten zu erzählen.

Steven Spielberg und George Lucas haben vor wenigen Tagen von der Implosion des Kinomarktes aufgrund der vielen teuren Großprojekte der Studios gesprochen. Und vorgeschlagen sich auf eine neue Fernseh-Erfahrung zu fokussieren. Ist das für Pixar auch ein potentieller Weg, Storywelten im Fernsehen weiter zu erzählen, vielleicht mit der Dependance in Kanada?

KORI RAE: Nicht dass ich davon wüsste. Unsere Pläne bestehen weiter darin, tolle Filme zu produzieren, das ist, was wir machen. Ich wüsste von keinen Plänen, die etwas anderes vorsehen. Dafür gibt es auch keine Notwendigkeit.  Wir produzieren ja ab und an mal ein Special für das Fernsehen oder ein Interstitial  wie die CAR TOONS, aber darüber hinaus gibt es wohl keine Pläne. Wir bleiben bei den animierten Spielfilmen.

Eine letzte Frage: können wir irgendwann THE INCREDIBLES 2 sehen [Anmerkung: der von Kori Rae Co-Produziert wurde]?

KORI RAE: Wir wissen von nichts! Wir wissen aber, dass es alle wollen. [Beide lachen]

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Im ersten Teil des Interviews mit Regisseur Dan Scanlon und Produzentin Kori Rae zur MONSTER UNI könnt ihr über die Im ersten Teil konntet ihr über ihre eigenen Erlebnisse am College, den Einsatz von 3D als Storytelling-Tool, die Auswahl der Synchronsprecher und die komplexeste Szene des Films lesen.

Bilder © Disney/ Pixar · Alle Rechte vorbehalten.

2 Antworten
  1. Sebastian
    Sebastian says:

    Global Illumination und Hair and Fur-Systeme (für das Gras) sind doch aber nichts wirklich Neues mehr! Selbst die Qualität in Monster Uni erreicht keinen Level, den es nicht schon gab…

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    • Gerold Marks
      Gerold Marks says:

      Es stimmt natürlich, dass Hair, Fur- und Cloth-Systeme grundsätzlich nichts Neues sind. Aber es werden ständig neue Systeme dafür entwickelt. Das Hairsystem für Tangled (Schwester Disney) war eine Eigenentwicklung, für Meridas Locken wurde ein neues System entwickelt. Es geht nicht nur um das Erzeugen, sondern um die Interaktion, ein Schritt im Gras erzeugt Fußabdrücke, die sich langsam wieder aufrichten. Diese „unsichtbaren“ Kleinigkeiten werden imho alle viel realistischer.
      Wie beschrieben ist der Look ja angepasst an den ersten Teil, wie photoreal es sein kann, zeigt sie nächtliche Szene in der Menschenwelt zum Ende des Films oder der Vorfilm. Dieser Realismus ist für PIxar-Verhältnisse schon ein neuer Schritt, das fand ich durchaus bemerkenswert.

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