Filmkritik: Die Drei Musketiere

Eine Kurzkritik zu Paul W. S. Andersons neuem Film Die Drei Musketiere könnte lauten: Was? Ach nööö. Der Film ist ein bisschen wie das Filmplakat- man weiß, wo sie hin wollten, die Umsetzung ist aber eher eklektisch.

Die Drei Musketiere ist Popcorn-Kino, was grundsätzlich nichts schlechtes sein muss. Ein Mashup, das von überall her nimmt und zitiert, aber wenig neues hinzufügt. Neben den zahllosen Musketier-Verfilmungen finden sich in Paul W. S. Andersons Version Anleihen an Jules Verne, Indiana Jones, Resident Evil, die Fluch der Karibik- Reihe, James Bond, Steampunk- und Heist-Movies. Und auch ein wenig Dumas. Selbstverständlich in stereoskopischem 3D, das nativ gedreht optisch perfekt umgesetzt wurde, wenn auch inhaltlich etwas einfallslos genutzt. Ich würde dafür durchaus den Begriff Franchise benutzen: man baut auf Vorbekanntem auf, und veröffentlicht eine weitere Episode, die aber auch in einem „more of the same“ enden können.

Bereits die Eröffnung sorgte bei mir für Verärgerung: die etwas abgehalfterten Musketiere rauben im künstlichen Set-Venedig drei Schlüssel, um in das geheime Archiv von Leonardo da Vinci zu gelangen. Dort wollen sie den Plan für die Über-Kriegsmaschine, besser bekannt als wörtlich genommenes Luftschiff, stehlen. Und bei der Flucht vernichten sie mal eben das gesamte Archiv von DaVinci wissentlich und vorsätzlich. In meinem Verständnis tut das ein Musketier nicht. Der schlägt zwar ein wenig über die Strenge, kämpft aber für das Gute und vernichtet dabei mal eben unwiderbringliches wissenschaftliches kulturelles Nutzgut. Gut, Milady DeWinter, aka Regisseurgattin Milla Jovovich, zitiert in Alice-Manier den Indiana Jones 1- Opener. Doch eine Badass-Variante der Musketiere im Stile von Guy Ritchies Sherlock Holmes ist diese Musketier-Fassung nicht.

Man kommt mit großem Cast: Milla Jovovich hat gefühlt die meiste Screentime und darf den ganzen Film über als Brüstchen in Kleidchen kokettieren, was das Modeln hält. Orlando Bloom wollte statt Jüngling mal schmierigen Fiesling, den bekam er auch mitsamt Föhnwelle. Hans Landa, äh, Christoph Waltz, spielt wie immer seine Paraderolle, der man zwar gerne zusieht, sich aber zunehmend abnutzt. Die Musketiere Matthew MacFadyen, Ray Stevenson und Luke Evans kommen stimmig, charakterstark, der junge D’Artagnan (Percy Jackson- Logan Lerman) ist zwar etwas plättlich testosteron-geschwängerte in der Figur, aber annehmbar. Mads Mikkelsen als Fiesling Rochefort spielt erneut konsequent mit nur einem Auge. Und wir haben noch einen Stapel Nebenrollen: Nina Eichinger haben sie die Sprechszenen geschnitten. Til Schweiger karikiert Til Schweiger- anders kann ich mir diese Performance nicht erklären. Der britische Comedien James Corden darf lediglich als dicker Sidekick immer Hunger haben. Da wäre sicher mit etwas mehr möglich gewesen.

Man kann durchaus Spaß an den Drei Musketieren haben, aber man sollte es mit Logik nicht zu eng sehen. Dass jemand einen Sturz aus mehreren hundert Metern Höhe ins Meer überlebt, ist absurd. Dass jemand mal eben ein Luftschiff fliegt, wobei man so ein Ding zum ersten mal sieht, natürlich ebenso. Aber der ganze Film protzt mit Übertreibung und Absurdität, dass man darauf wirklich keinen Wert legen sollte. Ich möchte hier keine Handlung über Luftschiffe auf Domdächern spoilern. Aber wie ausgedehnt eine Halskette als MacGuffin funktionieren kann, demonstriert der Film etwas angestrengt. In diesem Fall muss ich sagen: Blockbuster. Bitte noch ein Popcorn essen.

Natürlich sind die historischen Drehorte in Würzburg, Bamberg, Burghausen und auf Herrenchiemsee eine Pracht, verstärkt durch die guten 3D-Aufnahmen. Leider sieht man ihnen die Kulisse immer ein wenig an. Die Straßen im Paris des 17. Jahrhunderts sahen wohl anders aus. Will man hier Atmosphäre schaffen, legt man am Set noch schnell einen Stein neben die Körbe. Aber sonst ist alles blitzblank. Natürlich liegt das an den eingeschränkten Drehmöglichkeiten auf den Schauplätzen, doch wird hier diese Version der Drei Musketiere ein wenig zum Kostüm- und Mantel- und Degenfilm, wobei man das in der Kommunikation ja tunlichst vermieden hat. By the way: Die Kostüme sind eine Pracht, man lässt sich zu neuzeitlichen Witzen eines Urahns von Karl Lagerfeld hinreißen. Und verteilt Strafzettel an falsch parkende Pferde. Die Neuzeitreferenzen wirken aber auch mal albern statt witzig.

Natürlich interessiert mich die Visualität des Films. Und da bin ich leider ein bisschen kritisch. Gerade durch die technisch brillanten 3D-Realfilm-Aufnahmen ist das Gefälle zu den VFX sehr stark. Alles, was großflächig aus dem Rechner als Landschaft, Mattepainting oder Kulisse kommt, ist durch Bewegung, Textur und Licht klar als solches zu erkennen. Vor ein paar Jahren hätte man das noch durchgehen lassen, doch mittlerweile hat man sich – und gerade der Blockbuster-Besucher- an photorealistischere VFX gewöhnt. Dies gilt leider auch für die Kampfszenen auf den Luftschiffen. Der Einsatz des nativen stereoskopischen 3D ist absolut lohnenswert, weil es Tiefe in den gesamten Film bringt, natürlich darf auch mal ein Popout-Effekt dabei sein. Die Projektion war im RealD-System lichtstark und farbfreudig, Ghosting-Effekte sind mir auch bei dunklen Szenen nicht aufgefallen. Da haben sie einen wirklich guten Job gemacht. Und ich freue mich, wenn Paul W. S. Anderson sein 3D-Potential in den nächsten Filmen weiter ausbaut.

Fazit: Mit den Drei Musketieren schlägt man sicher ein neues Kapitel in der deutschen Filmproduktion auf: auch wir können opulent und teu(r)er. Zwar im alten Frankreich belassen, doch inszenatorisch in die Neuzeit geholt, ist diese Fassung nichts für Dumas-Puristen, bietet aber durchaus ansprechendes Popcorn-Kino in absolut sehenswertem 3D. Und wird sicher ein Erfolg, alleine durch die ganzen Verkäufe des Films rund um den Globus.

Die Drei Musketiere läuft seit heute deutschlandweit in 538 3D- Kinos- übrigens der drittgrößte deutsche 3D-Release aller Zeiten.

Bilder © Constantin · Alle Rechte vorbehalten.

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